Franz Christoph Schiermeyer

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BAADER, SCHMOCK & IMMELMANN

Die metaphysischen und sehr realen
Abenteuer dreier Freunde,
Gereimte Gedichte, Paperback,
2018 in Books on Demand, Norderstedt

Nicht mehr erhältlich

Sämtliche Gedichte sind nur noch im
Sammelband Gedichte gedruckt verfügbar.
 


 

AUS DEM INHALT

 

Die Vorstellung

Es stellte sich mir irgendwann
ein Mann vor namens Immelmann.

Der war von sehr weit hergekommen,
allein und nur zu meinem Frommen.

Ich lud ihn ein ins Café Schrader,
dort nannte er sich plötzlich Baader.

Und nach Gebäck und einem Grog
empfahl er sich mir noch als Schmock...

Dann war er fort, auf der Chaussee,
und ich betrat, noch im Café,

die wundersam verquere Welt
der drei, die sich mir vorgestellt.

*

Das Ding

Im Café Schrader steht ein Ding,
das macht, mit Geld gefüttert: "Kling!"

Man ahnt es schon: Ständ’ dort ein Dong,
ertönte es wahrscheinlich "Klong!"

Denn jedes Ding hat Gott sei Dank
sein unverwechselbares "Klang!"

*

Die Tür

Im Café Schrader gibt es auch,
zum freigestellten Nutzgebrauch,

willst du dich solcherart beglücken
(ein Schildchen weist dich an: "Hier drücken"),

dort gibt es also, wie gesagt,
sofern dir ihr Gebrauch behagt

(als anderer trittst du herfür,
hindurchgegangen): eine Tür.

*

Die neue Hose

Schmock erwirbt in einem Kaufhaus
eine Hose von der Stange.
Und als Dreingabe erhält er
- unverbindlich! - eine Zange.

Zu der Zange gibt es dieses:
drei Paar gelbe Kindersocken,
außerdem ein Kilo Fallobst
und zwei Wickler für die Locken...

Schmock, den selten etwas wundert,
steht, von so viel Glück benommen,
regungslos in jener Hose,
deretwegen er gekommen.

*

Der Jägerzaun

Baader liest in einer Zeitung
ein Rezept zur Zubereitung
von - man höre dies und staune! -
einem Meter Jägerzaune.

Von Begeisterung gepackt,
lädt er, als der Zaun zerhackt
und bereitet samt dem Pfahle,
Schmock und Immelmann zum Mahle.

Jägerzaun und Jägersoße,
aufgetischt zu einem Kloße,
munden bestens im Verein
mit des Jägermanns Latein…

*

Baader geht spazieren

1

Baader steht im Regen...
Dabei ging er vor das Haus,
um sich zu bewegen,
weil die Sonne so schön schien!

Jetzt scheint es ihm,
dass sie nur schien.

2

Schmock erfindet einen Gegen-
stand, der, wenn man ihn benutzt,
steht man ohne Schirm im Regen
(und die Schuhe sind beschmutzt).

Baader birst beinah vor Glück,
als vermacht wird ihm das Stück,
und benutzt es - siehe auch
oben - für den Hausgebrauch.

*

Der Zwerg

Baader trifft auf einen Zwerg
beim Klettern auf den nächsten Berg

(Der nächste Berg ist für dich nah,
doch fern dem Zwerg,
drum wohnt er da…).

Der Zwerg spricht unerschrocken: "Hier
bin ich zu Haus, das merke dir!"

Baader hat, wie er berichtet,
auf den Aufstieg gleich verzichtet

(und gewann beim Zwerg durch diese
Tat durchaus an Wert als Riese).

*

Der rücksichtsvolle Schmock

Schmock bereist gern fremde Länder.
Bis an deren fernste Ränder

dringt er, einen Blick zu tun,
was dahinter wohl mag ruhn.

Doch nicht alles will besehen
werden! - Schmock kann das verstehen,

und so macht er, was er sah,
nicht bekannt und lässt es da...

Dass du noch in deinem Krale
ungestört bei deinem Mahle

sitzen kannst, das danke nur
seiner freundlichen Natur!

*

Der poetische Immelmann

Immelmann, mehr theoretisch
eingestellt, reist alphabetisch:

Von Amerika (wie A)
über K (wie Kanada)

reist er, wohlig warm im Bett
ausgestreckt, bis hin nach Z.

Diese Letter steht für Zypern
und reimt sich dadurch auf Ypern,

welches durch das Ypsilon
weiterführt nach Babylon...

Immelmann reist alphabetisch
und im Ganzen - mehr poetisch.

*

Freigeisterkultur

Dass sich ihm ein Traum erfüllt,
reist er einmal auch nach Sylt.

Denn er hofft, dort findet er
ringsum, was er liebt: das Meer!

Doch wann immer er drauf schaut,
sieht er nichts als nackte Haut

(oder eine Badehose
kurz vor der Metamorphose).

Immelmann, selbst reiner Geist,
wie sich nachstehend erweist,

lobt seitdem erst die Natur,
ist sie Mensch, hat sie Kultur.

*

Der gelehrte Besen

An Schmock gerichtet spricht ein Besen:
"Ich kann schreiben und auch lesen.

Außerdem beherrsche ich
dreizehn Sprachen meisterlich

(Nicht zu reden vom Diplome
über siebzehn Idiome)!"

Schmock, auch er nicht ungelehrt,
sagt "Voilà!" und "Bon!" und kehrt.

*

Die neue Sprache

Immelmann, der Sprache mächtig,
die in Zukunft wird gesprochen,
unterhält mit Schmock sich prächtig
(weil von niemand unterbrochen).

Alles, was die Zwei austauschen
mit den zukünftigen Wörtern,
klingt wie Atmosphärenrauschen,
gleichgültig, was sie erörtern.

Denn was ihre Lippen formen,
unterliegt stets neuen Normen
und ist, kaum mit Sinn begossen,
ausgesprochen schon verflossen...

*

Die Sendung

Baader findet einen Ton
(beim Singen in ein Mikrophon),
der bis dato unbekannt.
Er schickt den Ton, auf einem Band

konserviert und auf der Stelle
der Redaktion der Deutschen Welle
(dass man ihn baldmöglichst sende
und so Verwendung für ihn fände).

Nach zwei Tagen hört er schon
den beiläufig entdeckten Ton
widerklingen im Briefkasten
("Die Sendung geht zu Ihren Lasten!").

Baader ist, als er vernimmt
diesen Ton, zutiefst verstimmt.
Doch, womit sein Groll gleich endet:
Immerhin - er war gesendet!

*

Pro arte

1

Baader fährt nach Genua,
von München über Hamburgs Hafen
(er hat den Anschlusszug verschlafen),
und spricht, als er sich eingeschifft
nach Genua: "Was das betrifft:
Für die Seefahrt und die Kunst
war mein Umweg nicht umsunst!"

2

Immelmann erhält Besuch
von einem "Kunst-Strukturen"-Buch.

Seinen Horizont zu weiten,
wendet er wohl tausend Seiten

und erklärt galant zum Schluss
den Besuch zum Kunstgenuss.

3

Schmock, sehr herzlich zugetan
allem, was als Kunst auftritt
(von Hammelmann bis Hindemith),
bricht hier einem Künstler Bahn:

Denn eines Tages, irgendwann
(Schmock ist grau und längst vergessen)
sind die Leute wie versessen
auf einen Künstler: Hammelmann!

*

Das Lustspiel

Baader, Schmock und Immelmann
sehen sich ein Lustspiel an.

Das Geschehen stimmt sie heiter,
bis ein ernster Lustspielleiter

vor das Publikum hintritt
und verkündet: "Ihr spielt mit!"

Baader findet das nicht lustig,
Immelmann dagegen putzig.

Schmock, bisweilen leicht in Rage,
tritt gleich auf und ruft: "Die Gage?!"

*

Schmocks Erfindungen

Schmock erfindet ein Gerät
für mehr Objektivität.

Jenes teilt selbst Schall und Rauch
haarklein in Sowohl - Als auch.

Schmock, der einerseits begeistert,
sieht sich andrerseits gemeistert.

Und erfindet ein Gerät
für mehr Subjektivität.

*

Der brave Immelmann

Immelmann, auf dass er werde,
was er ist auf dieser Erde,
richtet gegen nichts Beschwerde:

Ob du ihn in Tinte tauchst,
seine Lieblingspfeife schmauchst
(trotzdem du doch gar nicht rauchst!) -

Immelmann, in seiner Ehre
nicht gekränkt, als ob nichts wäre,
weint darüber keine Zähre...

Halte ruhig ihn für ein Schaf,
nicht mal das raubt ihm den Schlaf,
denn er denkt dich auch so brav!

*

Immelmann ärgert sich

Immelmann, wie soll man sagen,
platzt auf diese Art der Kragen:

Kurz nachdem sein Kamm geschwollen,
sieht man ihn die Augen rollen.

Mit weit aufgeblähten Nüstern
dämpft den Aufschrei er zum Flüstern

- wie ein Tier sieht er dich an -,
dreimal tonlos: "Immelmann!!"

*

Das metaphorische Erlebnis

Baader interessiert sich sehr
für der Sterne fernes Meer.

Schweigend sieht man ihn zum blauen
Nachthimmel des Abends schauen

durch ein meterlanges Rohr...
Einmal hat ein Meteor,

ehe er im Meer versunken,
ihm durchs Rohr kurz zugewunken! --

Dies Erlebnis, meteorisch,
dünkte ihn höchst metaphorisch:

voller Sinn und äußerst dunkel,
kurz und gut - wie Sterngefunkel.

*

Das Kult-Objekt

Ein andres Mal erblickt im Rohr
der aufmerksame Astronom
das Spiegelbild vom Kölner Dom
(komplett mit Türmen und mit Chor!).

Ergriffen von dem Kult-Objekt,
das unerwartet er entdeckt,
spricht Baader fromm und wie im Schlaf
als guter Christ: "Kölle Alaaf!"

*

Der Stein der Weisen

Immelmann und Baader reisen
zum berühmten Stein der Weisen.

Angekommen bei dem Brocken,
können nichts sie ihm entlocken.

Was auch immer sie versuchen -
Er bleibt stumm wie Marmorkuchen.

"Baader", sagt Freund Immelmann
schließlich "bitte, fass mal an!"

Mühsam mit nach Haus genommen,
ist der Stein zu Schmock gekommen.

Und von dort? - Wer solche Fragen
stellt, muss ihn als nächster tragen!

*

Schmocks Erfindungen

Schmock erfindet ein Gerät
für mehr Objektivität.

Jenes teilt selbst Schall und Rauch
haarklein in Sowohl - Als auch.

Schmock, der einerseits begeistert,
sieht sich andrerseits gemeistert.

Und erfindet ein Gerät
für mehr Subjektivität.

*

Typisch Immelmann

Immelmann beschließt zu finden,
was noch keiner vor ihm fand.
Als er endlich es gefunden,
nimmt er froh es in die Hand.

Schaut es an von allen Seiten,
trägt es sorgfältig nach Haus,
in ein Taschentuch gewickelt,
packt es dort dann wieder aus.

Was er letztlich hat gefunden,
geht wohl niemand etwas an...
Eins nur ist dazu zu sagen:
Das war typisch Immelmann!

*

Schmock geht wählen

Schmock entscheidet sich im Falle
einer Wahl diskret für alle:

Jedem malt er hin ein Kreuz,
einschließlich Schmidthuber-Deutz

("Denn", so denkt er sich, "man kann
sicher sein, das freut den Mann,

der wie jeder Kandidat
nur ein Kreuzchen sich erbat.").

Die Bescheidenheit zu loben,
wählt Schmock wie beschrieben oben:

Macht ein Kreuz und noch eins und
malt sie auch ein wenig bunt

(dass im neuen Parlament
jeder Farbe gleich bekennt). --

Selbstbewusst entschreitet Schmock
nach der Wahl im Sonntagsrock,

wissend, dass die Prozedur
staatserhaltend wirkt... Eins nur

findet er nicht gar so gut:
Dass gemäß dem Wahlstatut,

geht es an das Kreuzezählen,
stets die seinen - fünfzehn! - fehlen.

*

Der Freundschaftsbeweis

Baader, Schmock und Immelmann
treffen sich in Kurdistan.

Der Zufall hat sie hergeführt
und alle drei sind tief gerührt.

Denn dass man sich per Zufall findet
in Kurdistan -- Das hebt und bindet

und ist, wie jeder sogleich weiß,
der Freundschaft sicherer Beweis.

 


 

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Verschwiegener Wunsch - verwünschtes Schweigen | Sammelband Gedichte

 

GEDICHTE

Ungereimtes in Versen

Ein kleines Kind

Baader, Schmock &
Immelmann

Verschwiegener Wunsch -
verwünschtes Schweigen

Sammelband Gedichte

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