Franz Christoph Schiermeyer

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MACH DIR KEINEN KOPF

 

380 Aphorismen, Paperback,
2018 in Books on Demand, Norderstedt

Erstveröffentlichung 2000 unter dem Titel “Aphorismen"
im Selignow Verlagsservice, Berlin

Beide Ausgaben sind nicht mehr erhältlich.

Sämtliche Aphorismen sind nur noch im
Aphorismen-Sammelband gedruckt verfügbar.

 


 

INHALT

 

Denk nach! - Wem?

*

Bei uns wird niemand verfolgt.
Nicht einmal ein Gedanke.

*

Ein Engel kommt inkognito.
Ein Pfarrer im Talar.

*

Für alles entschuldigt man sich
leichter als für Einzelnes.

*

Ein geübter Satiriker
kann aus dem Stand heraus
verzweifeln.

*

Sammle dich! Lass dir
deine Zweifel nicht zerstreuen.

*

Auf jeden Leim
krieche ich drei, vier Mal.
Keiner ist klebrig genug.

*

Ein Schriftsteller glaubt sich nichts.
Er braucht alles Schwarz auf Weiß.

*

Die Würde des Menschen
ist unantastbar,
verteidigen sich die Henker.

*

Der Gedanke, dass er
zu einer Maschine geworden
sein könnte, kam ihm automatisch.

*

Einen Diktator kann man stürzen.
Aber nicht loswerden.

*

Ohne Gewissen kein Bewusstsein.

*

Von den Geheimdiensten
weiß man nicht einmal,
wem sie dienen.

*

Es gibt Berufe, für deren Ergreifung
völlig zu Recht hohe Belohnungen

ausgesetzt sind.

*

Leuten, die Zukunft haben wollen,
kann man nur empfehlen,

Prophet zu werden.

*

Der Philosoph fühlt sich
nach einem guten Gedanken

erleichtert. Der Theologe erleuchtet.

*

Wenn der Teufel
den lieben Gott ärgern will,
liest er in der Bibel.

*

Satiriker schießen mit Pfeilen,
um keine Worthülsen

zu hinterlassen.

*

Jedes Gedankengebäude
hat seinen Makler.
Und seine Nebenkosten.

*

Spendenaufruf.
Wenn die Kirchen jährlich
auf nur einen Glaubenssatz verzichten

würden, käme für alle Heiden
genug zusammen.

*

Der General schläft gut
in der Nacht. Er träumt vom Krieg.

*

Feinde erkennen einander
an der Nase.
Freunde auch am Rotz.

*

Wenn man bedenkt,

wie viele Hüter der Moral
es gibt, wundert man sich,

dass überhaupt noch jemand
zu ihr durchdringt.

*

Wer in größeren
Zusammenhängen denkt,
darf Umwege nicht scheuen.

*

Warnung. Wenn am Ende
eines langen Gedankenganges
ein Licht aufscheint, können das
auch die Suchmannschaften sein.

*

Letzte Instanzen kämpfen
mit den meisten Vorurteilen.

*

Diktatoren drücken sich
selten gewählt aus.

*

Der Gläubige weiß,
wann die Glocken läuten.
Der Ortskundige, wo sie hängen.

*

Ein Moralist hat keine Moral.
Er verkörpert sie nur.

*

Das Gute erkennt sich
auch im Bösen.
Das Böse selbst da nicht.

*

Fernsehen. Der Sieg
des Sehens über die Vision.

*

Der Mantel der Geschichte.
Die Summe aller Uniformen.

*

Selbst kleine Leidenschaften
kann man nicht sättigen.

Nur nähren.

*

Letzte Woche hat ein Volksvertreter
an meine Tür geklopft.
Ich habe aber keins gekauft.

*

In der Mode kommt es leicht
zum Äußersten.

*

Am Anfang war das Wort.
Am Ende die Information.

*

Ein Kopf muss sich
nicht behaupten.

*

Der Eitle ließe sich sofort

vom Blitz erschlagen, könnten
die anderen den Donner hören.

*

Wer unbedingt glauben will,
den bekehrt auch der Teufel.

*

Er hat eine gehobene Laufbahn
eingeschlagen. In der Hoffnung,
einen Teil der Strecke
getragen zu werden.

*

Mancher Gläubige ist eitel genug,
sich täglich im Beichtspiegel

zu betrachten.

*

Er musste sein Gewissen
einschläfern lassen.
Es hatte zu oft andere gebissen.

*

Man sollte nur Leute
zur Rede stellen,
die auch eine halten können.

*

Wenn der Berg zum Propheten
kommt, dann sicherlich nur,
weil der ihn mal wieder versetzt hat.

*

Keine Tür ist so offen,
dass er sie ohne
Schlüsselerlebnis durchschritte.

*

Das Problem des Reisens scheint zu sein,
dass man nicht dahin kommt, wo man ist.

*

Im Frühling begeistern die ersten Blumen.
Im Herbst die letzten.

*

In Gefahr begeben wir uns auch ohne Grund.
Aus ihr heraus nur mit vielen Entschuldigungen.

*

Nur ein Strohfeuer!
sagte der fröhliche Landmann,
als seine Scheune brannte.

*

Leg deinem Kind nichts in die Wiege.
Es liegt sich darauf wund.

*

Lieblingsautoren sterben unterm Kopfkissen.

*

Gib nicht allzu viel auf die Treue eines Menschen,
der sie sich von dir halten lassen muss.

*

Folgt man den Augen dessen,
der nur diagonal liest, sieht man,
wie sie Seite um Seite durchstreichen.

*

In einer Ehe, in der er das Sagen hat,
hat sie gewöhnlich das Hörensagen.

*

Mit wem man nicht über das Wetter reden kann,
mit dem ist auch über anderes nicht zu sprechen.

*

Er spielt so lange mit einem Gedanken,
bis er ihn ins Aus formuliert hat.

*

Talkmaster.
Dealer in Sachen Gesprächs-Stoff.

*

Für Schmeicheleien
sind wir nicht empfänglich.
Bis der Schmeichler unseren Ton trifft.

*

Das Bild, das man sich von einem anderen macht,
ist selten falsch. Aber oft nicht gelungen.

*

Was macht man mit Vorurteilen,
die sich einem bestätigen,
ohne dass man sie gehabt hätte?

*

Es gibt Leute, die bringen für ihre Sache
jedes Opfer. Zur Schlachtbank.

*

Die es gut mit uns meinen -
ob sie auch gut von uns denken?

*

Der Unterhalter will die Lacher
auf seiner Seite haben.
Der Satiriker auf der anderen.

*

Unter den Umständen, denen wir nicht
zum Opfer fallen wollen, werden wir zu Tätern.

*

Merke auf, wenn du gepriesen wirst.
Man nennt deinen Preis.

*

Schließt die Theater! Niemand
lässt sich mehr etwas vormachen.

*

Er ist ganz ergriffen...
Von seinen Maßnahmen.

*

Wenn Frau M. einen Konflikt austrägt,
darf man immer auf eine Mehrlingsgeburt hoffen.

*

Stört an Diogenes der Argwohn, er könne
jeden Tag ein neues Fass aufgemacht haben?

*

Früher hätte man nicht in Kalau wohnen mögen.
Heute könnte man es nicht mehr bezahlen.

*

Merze deine Fehler nicht aus,
bevor du von ihnen gelernt hast.

*

Viel eher als einer gespaltenen Persönlichkeit
begegnen wir einer parallelbewussten.

*

Beachte: Die das Rennen machen,
laufen selber nicht mit.

*

Seit ihm die Erde keine Scheibe mehr ist,
scheint es dem Menschen nur noch darum zu tun
zu sein, aus der Kugel eine Kiste zu machen.

*

Alle großen Lügen haben einmal
als letzte Wahrheiten angefangen.

*

Könnte es nicht sein, dass die Erde nur dazu dient,
dem Mond um die Sonne zu helfen?

*

Die kleinsten Götter
erwarten die größten Opfer.

*

Die meisten Jugendsünden
sind mit Altersstarrsinn ausreichend erklärt.

*

Die einem Himmel und Hölle ausmalen,
haben selten das Talent eines Michelangelos.

*

Ein lautes Kind macht seine Eltern nervös.
Ein stilles unruhig.

*

Es gibt Indianer, die begraben ihr Kriegsbeil.
Immer an derselben Stelle.

*

Das Leben sei kurz?
Die Zeit vor meiner Geburt erschien mir kürzer.

*

Geheimnisse muss man lüften.
Bevor sie anfangen zu riechen.

*

Der Gott, der jedes Haar auf meinem Haupte kennt,
hat täglich weniger zu zählen.

*

Sie können sich nicht versöhnen.
Sie haben sich schon verbrüdert.

*

Als er über den Berg war,
ging´s mit ihm bergab.

*

Mancher, der sein Auto liebt,
hält sich nebenbei ein Fahrrad.

*

Seien wir doch mal ehrlich,
verraten sich die Lügner.

*

Niemand hat weniger zu lachen als der,
der den anderen komisch vorkommt.

*

Aphoristiker: Apropositivisten.

*

Ein "geistiger Mensch" steht über den Dingen.
Er verrät nur nicht, über welchen.

*

Von höherer Warte aus
übersieht man besonders leicht.

*

Perfekt zwischen den Zeilen
lesen nur die Analphabeten.

*

Wer zu leben versteht,
versteht nicht unbedingt etwas vom Leben.

*

Aphoristiker fassen sich kurz.
An den Kopf oder an die eigene Nase.

*

Offene Rechnungen
haben keine Unbekannten.

*

Sei ein Mensch, werde ein Auto.

*

Seit unsere Daten geschützt sind,
haben sie sich wieder erfreulich vermehrt.

*

Den geborenen Mitläufer
findet man bald an der Spitze des Feldes.

*

Der Auto-Psychologe rät:
Lassen Sie ein Auto nie wissen,
dass es nur Ihr Zweitwagen ist.

*

Bei uns kann jeder Millionär werden.
Vorausgesetzt, Millionen verzichten darauf.

*

Keine Angst vor Wortwechseln!
Bei manchen macht man
gar keinen schlechten Tausch.

*

Er ist seiner Zeit voraus.
Wetten, dass sie ihn einholen wird!?

*

Zu seiner Verteidigung hatte er nur eins
vorzubringen: den besten Anwalt.

*

Die Reichen lieben es,
sich Armutszeugnisse auszustellen.

*

Die Freude an den kleinen Dingen
wächst mit der Furchtlosigkeit vor den großen.

*

Als die Wahrheit zu siegen drohte,
lief er zu ihr über.

*

Im Namen Gottes spricht nur,
wer ihn für unmündig hält.

*

Erwarte keine Gerechtigkeit,
wo Gerechtigkeit nur geübt wird.

*

In einer reichen Gesellschaft kann jeder kaufen,
was ihm gerade fehlt. In einer Überflussgesellschaft,
was er gerade nicht wiederfindet.

*

Unter einem Berg von Material
verbirgt sich selten ein Gedanke.

*

Kleine Kinder nimmt man an die Hand.
Große beim Wort.

*

Ein ernstes Gespräch endet im Scherz.
Ein überflüssiges stirbt an seinen Witzen.

*

Kaum jemand will die Wahrheit hören.
Aber alle wollen sie gerne aussprechen.

*

Es sind Fälle bekannt, in denen Autos
Selbstmord begingen, nur,
weil sie sich ständig zurückgesetzt fühlten.

*

Biete zwei Johannes Paul
für einen Jean Paul.

*

Dem, der sich alles zutraut,
traue alles zu.

*

Kritisiere niemanden,
der dich dazu ermuntert.

*

In einer Überflussgesellschaft ist alles erlaubt.
Nur nicht, sie für überflüssig zu halten.

*

Weniges irritiert mich mehr,
als schon Drei-, ja Zweijährige als völlig
unsympathisch empfinden zu können.

*

Die den Leuten aufs Maul schauen, wollen ihnen
gewöhnlich nur nach dem Munde reden.

*

Am erbittertsten werden die Kämpfe
der Vergangenheit ausgetragen.

*

Wunder. Die Werbeblöcke der Bibel.

*

Ins Gesicht gesagte Wahrheiten
gelangen selten bis zu den Ohren.

*

Mancher schreibt auf eine Art und Weise, dass,
wenn man auch nur ein einziges Komma überliest,
das ganze Buch wohl unverstanden bleibt.

*

Er beobachtet sich selbst auf Schritt und Tritt.
Kein Wunder, dass er sich ständig verfolgt fühlt.

*

Am sichersten wissen wir das,
was wir gar nicht wissen wollen.

*

Stumpfe Waffen sind die fürchterlichsten.

*

Aphoristiker misstrauen den literarischen
Schlachthöfen. Sie zerlegen ihre Bücher
lieber selber in gebrauchsfertige Zitate.

*

Hände, die einem gebunden sind,
kann man unmöglich waschen.
Auch nicht in Unschuld.

*

Mancher begreift die Erziehung
seiner Kinder als schlichtes Hand-Werk.

*

Bei genauer Betrachtung
verengt sich der Blickwinkel.

*

Mit einem Hund sterben auch seine Flöhe.

*

In der Klinik. Er kam sich vor
wie ein Untersuchungshäftling,

dem der Heilungsprozess gemacht werden sollte.

*

Wäre die Gesprächskultur auf der Höhe
der Tischsitten, würde niemand mehr in aller
Öffentlichkeit nach dem letzten Wort verlangen.

*

Das Leben bietet alles.
Solange man es nicht zu überbieten sucht.

*

Künstler enden als Zierrat.
Philosophen als Zitat.

*

Gedanken lesen?
Nur eine Frage geeigneter Lektüre.

*

Fünf Sinne sind den meisten Menschen vier zu viel.
Sie brauchen nur einen Sinn des Lebens.

*

Manchem Kritiker gelingt das Unmögliche.
Keinen Satz stehen zu lassen,

in dem nicht jedes Wort sitzt.

*

Mit Erziehung versuchen Eltern auszugleichen,
was sie ihren Kindern vererbt haben.

*

Kritische Masse.
Leider nur ein Begriff der Physik.

*

Die Wahrheit hat viele Kinder.
Aber keine Eltern.

*

Wie praktisch: Der Punkt, auf den wir
eine Sache bringen, deckt sich immer
mit unserem Standpunkt.

*

Mancher schwimmt gegen den Strom.
Und lässt sich doch nur treiben.

*

Gegen ein ewiges Leben spricht die Aussage
der meisten Menschen, dass sie alles wieder
genau so machen würden. Unendlich oft.

*

Meinungen kleiden.
Gedanken entblößen.

*

Schlechte Laune
verdirbt die beste Erziehung.

*

Wahre Büßer machen sich zu Narren.
Falsche zu Propheten.

*

Seine vier Wände sind ringsherum mit Büchern
zugestellt. Und alle zeigen ihm den Rücken.

*

Niedriger hängen! lautet die Devise.
Wenn der Galgen zu hoch ist.

*

Das Zitat ist der große Bruder
des kleinen Gedankens.

*

Ein Aphorismus ist das, was ein Gedanke
von einem anderen Gedanken übrig lässt.

*

Predige nicht dem,
der die Glocken läuten lassen kann.

*

Die Dummheit spricht
immer mit eigener Stimme.
Die Weisheit leiht sie auch vom Esel.

*

Zieh nicht die Summe aus einem Leben,
ohne die Gegenprobe zu machen.

*

Wem die Mitte fehlt,
der geht an seine Grenzen.

*

Talkshow. Kein Thema ist so heiß,
wie es gegessen wird.

*

Wo blinder Gehorsam herrscht,
gibt es Brillen umsonst.

*

Treuherzigkeit. Die Fähigkeit,
der Wahrheit ins Gesicht zu sehen,
ohne ihr in die Augen zu schauen.

*

Geht einem Hohlkopf ein Licht auf,
leuchtet er von innen.

*

Was für ein Zeichen könnte mancher setzen,
würde er nur mal einen Punkt machen.

*

Autoren bedienen sich aus ihren Schubladen.
Aphoristiker aus ihrem Papierkorb.

*

In welche Höhen der Adler steigt!
Um sich auf eine Maus zu stürzen.

*

Mancher trägt sein Leben lang einen Maulkorb.
Und hat am Ende nichts darin gesammelt.

*

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Wenn es sich um Fallobst handelt.

*

Moderatoren argumentieren stets
auf höchstem Nivelleau.

*

Streichle den Wolf,
und er reißt dir ein Lamm.

*

Aus jedem Anhänger einer Idee
wird über kurz oder lang
das Anhängsel einer Ideologie.

*

Achte auf den Schleifstein,
wenn jemand sein Messer wetzt! Die meisten Mörder
bevorzugen stumpfe Gegenstände.

*

Es gibt Sprechautomaten,
die sagen nichts als die Wahrheit.

*

Auch wenn du nur zu bedenken geben kannst -
gib immer gern und reichlich.

*

Eins musst du noch lernen,
weiß der rettende Strohhalm. Loslassen können!

*

Zuverlässig zur Quelle
führen einen nur die Wasserträger.

*

An die Auferstehung scheint man
am besten kniend glauben zu können.

*

Sie haben einander den Krieg erklärt.
Aber keiner von beiden scheint
die Erklärung des anderen verstanden zu haben.

*

Stunde der Wahrheit. Nicht vor 22 Uhr.

*

Modern outcast. From outing to casting.

*

Ihr Verhältnis zueinander
entspricht dem Kürzel x : y.

*

Psychomarkt. Die Umwandlung
fremder Projektionen in eigene Projekte.

*

Sie hatten sich in ein Gespräch vertieft,
aus dem sie nur mit Mühe geborgen werden konnten.

*

Menschen, die über alles jammern,
verzweifeln an gar nichts.

*

Glänzendes Parkett: Holzweg de luxe.

*

Ruf nicht zum Zeugen an,
auf wen du als Richter hoffst.

*

Es gibt Menschen, die können sich

so gut in einen hineinversetzen, dass man sie
regelrecht ausschwitzen muss.

*

Ihre Ehe endete mit der Erkenntnis,
dass sie über ihr Verhältnis gelebt hatten.

*

Mörder marschieren. Krieger tanzen.

*

Ein kardinaler Fehler.
Zum neuen Papst erhoben.

*

Geld heiratet Geld aus keinem anderen Grund
als dem der Gütertrennung.

*

In einem brüllenden Löwen erkennt der Löwe
die Gefahr. Die Maus den Artgenossen.

*

Ein recht mäßiges Verfahren, mokierte sich
der Staatsanwalt nach dem Freispruch.

*

Kleine Geister sind gewöhnlich
mit vielen großen verwandt.

*

Manchmal sind wir auf dem falschen Dampfer.
Und doch auf dem richtigen Fluss.

*

Sie haben vereinbart, dass, wenn Besuch angesagt ist,
sie in der Wohnung aufräumt und er in seinem Kopf.

*

Er ist schon mehrfach wegen Bestechung vorbestraft,
wird aber immer wieder rückgefällig.

*

Früher trat der Tod mit der Sense auf.
Heute kommt er sensibler daher.

*

Agnostiker glauben auf eigene Rechnung.

*

Fundamentalismus.
Die Kellerdecke als Himmelszelt.

*

Ob der vierblättrige dem gemeinen Klee
Glück bringt? Die Sense müsste es wissen.

*

Wer einem Lehrer kritisch ins Haus schaut,
war noch nicht beim Pfarrer zu Gast.

*

Den neuen Museen fehlt am Eingang
nur das Weihwasserbecken.

*

Im Alter hat nur das Bestand,
was vor dem Kind, das man war, bestanden hätte.

*

Die Gedanken sind frei.
Aber man kann sie jederzeit wieder einsperren.

*

Ein Paar, das alles voneinander weiß,
ist in der Regel geschieden.

*

Urteilsbegründungen sollten handschriftlich
ausgefertigt werden. Damit man hinterher einen Graphologen

als unabhängigen Sachverständigen beiziehen kann.

*

Manchem hat man nur sein Wort gegeben -
und bekommt einen Wortschwall von ihm zurück.

*

Bischöfe bekleiden ein Hochamt.

*

Vor dem Schönreden ist das Schöndenken.

*

Fragen, die sich stellen,
muss man nur noch festnehmen.

*

Besonders ärgerlich sind schlechte Bücher
mit korrekter Grammatik und Rechtschreibung.

*

Auch wer öffentlich beichtet,
bricht das Beichtgeheimnis.

*

Alte Folterer-Weisheit:

Wer schreit, hat Unrecht!

*

Der erste Eindruck täuscht selten.
Den zweiten.

*

Er bekannte seine Schuld als übergroß.
Quasi als Unschuld.

*

Vor ihrer Ehe hatten sie alle möglichen Probleme.
Jetzt haben sie nur noch Eheprobleme.

*

Ich lasse mich gern von einem Buch
gefangennehmen, bleibt am Ende der Ausgang offen.

*

Volltreffer! Er hat sich
in sich selbst versenkt.

*

Der blaue Planet mit den blauen Flecken.

*

Sie können einander
nicht das Taufwasser reichen.

*

Den Streit zwischen Ei und Henne
sollte man den Küken überlassen.

*

Die Verlässlichkeit heute ist eine allgemeine.
Jeder verlässt jeden.

*

Was sind schon zwei Brüste!
mokiert sich die Theologie.
Gegen zwei Seelen in einer?

*

Manchem gerät sein Glaube
zu einer besonderen Form der Undankbarkeit.

*

Auge um Auge, Zahn um Zahn,
Umwelt um Umwelt.

*

In einer Umgebung,
um die niemand mehr etwas gibt.

*

Manchmal begegnen uns Tränen,
von denen wir glaubten,
wir hätten sie längst aus den Augen verloren.

*

Die Krone der Schöpfung.
Auf wessen Haupt?

*

Satiriker. Spitzen-Leute.

*

Definitiver Alptraum.
In einem Himmel selig sein zu sollen -
in Kenntnis einer Hölle.

*

Souverän erscheint einzig der Kompass.
Er zeigt auch die Richtungen, in die er nicht weist.

*

Jeder hat das Zeug zum Komiker.
Wenn er nur ernsthaft wiederholt,
wobei er sich gedankenlos ertappt hat.

*

Es gibt schon noch Bretter vor den Köpfen.
Aber keine mehr aus Tropenholz.

*

Unter den Betroffenen
herrschen die Empörtkömmlinge.

*

Auf dem Psychomarkt herrscht
ein harter Verdrängungs-Wettbewerb.

*

Er hat kürzlich einen kleinen Kredit
aufgenommen. Er will demnächst einen Witz
auf eigene Kosten machen.

*

Zur Umkehr fehlt manchem
nur die Einsicht. In seine Akte.

*

Seit ich mich selbst verwirklicht habe,
bin ich völlig fertig.

*

Aphoristiker.
Zwischenrufer in der Wüste.

*

Jede Wolke kann die Sonne verbergen.
Aber keine ihr Licht.

*

Die den Hass nicht zulassen,
sind gewöhnlich Meister der Verachtung.

*

Der Unterhalter macht Witze, worüber er lachen,
der Satiriker, worüber er weinen muss.

*

Der Weg ist das Ziel, wissen die,
die ihren verloren haben.

*

Auch Selbstgespräche
sollten höflich geführt werden.

*

Gedanken, die einem tagsüber ausgehen,
kehren abends mit etwas Farbe zurück.

*

Wenn Eltern und Kinder von einem Tisch aufstehen,
sind beide satt von Ermahnungen.

*

Am meisten beschäftigen uns die,
mit denen wir fertig sind.

*

Den Schatten, der auf einem liegt,
wirft man nicht selber.

*

An der frischen Luft
verliert sich jeder Stallgeruch.

*

Die Französische Revolution.
Ein anerkanntes Fallbei(l)spiel.

*

Die Aufforderung sich zu ändern, befolgen stets die,
von denen man wünschte, sie täten das nicht.

*

Er begreift sein Leben als ein Geschenk,
hat es aber noch nicht ausgepackt.

*

Wer in einer Menge badet,
macht viele andere schmutzig.

*

Bettgenosse.
Einer, der immer daneben liegt.

*

Auch der höchste Baum
wirft seine Früchte auf die Erde.
Und nicht in den Himmel.

*

Je leichter der Abschied,
desto wortreicher.

*

Wer das Sagen hat,
braucht für den Spott nicht zu sorgen.

*

Auschwitz wird nie vergessen werden:
Alle Nazis werden es auf ewig leugnen.
Oder sich für immer dazu bekennen.

*

An einem falschen Ort
kann man nichts Richtiges sagen.

*

Aus Schaden wird man klug,
sagt der Dumme. Und richtet ihn an.

*

Ein kleineres Übel, das rasch genug wächst,
ist bald ein größeres.

*

Henker sind privat ganz anders.

*

Wenn Traditionen daniederliegen,
müssen sie gepflegt werden.

*

Nur Weniges,
und aus Achtung wird Ächtung.

*

Der Wahrheit wird gerne die Ehre gegeben.
Aber ungern die Macht.

*

Er fühlte so pazifistisch, dass er es sogar ablehnte,
eine Fremdsprache zu beherrschen.

*

Man kann viel aus der Geschichte lernen.
Aber offenkundig nicht alles behalten.

*

Man gewinnt nichts,
wenn der andere alles verliert.

*

Der Baum fällt in die Richtung,
in die er neigt.

*

Wenn Gedanken im Kreis gehen,
kommt es auf den Radius an.

*

Jede neue Generation tut gerade so,
als habe sie die Erde rund getreten.

*

Ein Edelstein ist nicht weniger wert,
wenn er seine Fassung verliert.

*

Festversammlungen sind konspirative Treffen
unter Einschluss der Öffentlichkeit.

*

Am heftigsten bejammert wird das,
dessen man sich nicht zur rechten Zeit erfreut hat.

*

Er führt jeden Gedanken aus.
An der Leine seiner Überzeugung.

*

Besser eine Religion mit vielen Göttern
als viele Religionen mit einem.
Im ersten Fall bekämpfen sich die Götter im Himmel.
Im zweiten die Menschen auf Erden.

*

Kaum spricht man eine Wahrheit aus,
und schon ist sie weg.

*

Es mag Menschen geben, die ihr Leben
als Dasein empfinden. Mir erscheint meines
von klein auf eher als Dortsein.

*

Meine abgelegten Hosen,
Hemden, Bekenntnisse…

*

Unausgegorenes
berauscht am schnellsten.

*

Nichts zähmt besser als Füttern.

*

Rechne auch mit denen,
auf die du nicht zählen kannst.

*

Die Sterne sind die Friedhöfe der Menschheit:
Auf jedem ruhen Milliarden von Blicken.

*

Satiriker! Auch aus Brennesseln
wird Suppe gemacht.

*

Messen heißt genau relativieren.

*

Ein Übel, dem wir nur beikommen wollten -
wie schnell haben wir ihm beigewohnt.

*

Was er sagt, entspricht der Wahrheit.
Unklar ist nur, in welchem Maßstab.

*

Die seltsame - und auch ergreifende - Vorstellung,
dass man nach dem irdischen Leben
noch Kraft für ein ewiges hätte.

*

"Kleine Weisheiten" sind immer niedlich.
Aber selten schon stubenrein.

*

Dichter schreiben ins Reine.
Aphoristiker ins Unreine.

*

Liebe Gewohnheiten
sind selten willkommen.

*

Die Kehrseite einer Medaille ist jene,
auf die man nicht gesetzt hat.

*

Es gibt keine kompletten Idioten.
Zwei, drei Albernheiten fehlen jedem.

*

Ein reiner Mensch macht mehr Wäsche schmutzig,
als ein reinlicher waschen kann.

*

Er hat etwas auf seine Fahne geschrieben.
Was man am besten wird lesen können,
wenn er sie wieder vom Mast holt.

*

Mach dir nichts vor: Ein Vogel, der dir zufliegt,
sucht nur seinen alten Käfig.

*

Die sich alles versagen,
versprechen sich von allem zu viel.

*

Schlagfertigkeit.
Unkontrollierter Reflex des Denkvermögens.

*

Er lässt sich gehen.
Und er weiß auch schon genau, wohin.

*

Kriege: Fußnoten der Geschichte.
In Stiefeln.

*

Viele Gedanken kreisen.
Aber nur wenige landen.

*

In der Erziehung und in der Kunst beginnt man
als Meister. Und endet als Lehrling.

*

Er glaubt an Gott. Aber nur
in Übereinstimmung mit seiner Religion.

*

So selbstlos kann niemand sein, dass ihm
der Böswillige nicht ein übles Motiv unterstellte.

*

Auch Vögel hinterlassen Fußspuren.

*

Geh mit der Zeit - lass alle Hoffnung fahren.

*

Mancher lacht über sich selbst
ohne jeden Grund.

*

Die Aufforderung, Kirche und Glauben
auseinanderzuhalten, kommt immer aus der Kirche.
Nie aus dem Glauben.

*

Wenn es uns gleichgültig wird,
was die Leute von uns halten,
wollen wir schlecht von ihnen denken dürfen.

*

Prinzipien suchen sich
ihre Reiter selber.

*

Der Krieg ist der Helden Tod.

*

Nichts belastet den Geldbeutel weniger,
als Applaus zu spenden.

*

Die Quelle des banalen Unglücks
entspringt dem Unvermögen, zwischen
Wunsch und Hoffnung unterscheiden zu können.

*

Je öfter man niederkniet,
desto gelenkiger werden die Glieder.

*

Man kann einen Gedanken so oder so formulieren.
Aber nicht anders denken.

*

Der kategorische Imperativ
kam gleich als Imperfekt zur Welt.

*

Er würde niemals billigen Fusel trinken.
Aber billiges Gefasel schmeckt ihm.

*

Gibt es etwas, das trauriger anzusehen wäre
als ein Akrobat, der versucht, sein Leben
vom Kopf auf die Füße zu stellen?

*

Hat man die Kirche in dem einen Dorf gelassen,
sieht man im Nachbardorf schon die nächste.

*

Gedenkminute.
Sechzig verpasste Schrecksekunden.

*

Rennfahrer. Letal immer gut drauf.

*

Im Kaufhaus kauft er, was ihm fehlt.
Und in seiner Kirche, worin er fehlt.

*

Sie faltet ihre Hände nicht anders
als ihre Servietten. Zu kleinen, überraschenden
und ganz und gar belanglosen Kunstwerken.

*

Er fühlt sich wunderbar getragen.
Am liebsten über seine Hemmschwellen.

*

Man muss einen Gegenstand
von allen Seiten betrachten. Will man
alle möglichen Ansichten von ihm haben.

*

Nichts ist Eltern tröstlicher
als das Geschrei fremder Kinder.

*

Sollte ich dereinst auferstehen müssen,
dann bestimmt mit dem linken Fuß zuerst.

*

Was könnte man über den Menschen Gutes sagen,
das einem nicht sofort zum eigenen Nachteil gereichte?

*

Er erhebt sich niemals über seine Mitmenschen.
Er kriecht lieber unter ihnen hindurch.

*

Renaissance.
Altmodisches Wort für Recycling.

*

Kleine Litanei. Etcetera in excelsis deo.

*

Was wir durchschauen, verliert alle Bedeutung
für uns. Oder gewinnt sie endlich.

*

Die Psychologie kann man nur
mit einer gewissen Therapietätlosigkeit betrachten.

*

Versuchungen sind Prüfungen,
von denen man hinterher nicht erfährt,
ob man sie bestanden hat.

*

Über dem Erlittenen wächst Gras.
Über der Geschichte Rasen.

*

Nicht jeder Baum, an dem eine Sau
sich reibt, ist eine Eiche.

*

Zwei grundverschiedene Tugenden zeugen
eine dritte. Zwei vergleichbare ein Laster.

*

Ein Regenschirm schützt vor Regen.
Wovor schützt ein Bildschirm?

*

Nichts vermissen wir mehr als das,
dessen wir zwar nicht bedürfen,
das uns aber eigentlich zustünde.

*

Ein lieber Gott, dem schon mal
die Hand ausrutscht.

*

Die alles beobachten, sehen selten etwas.

*

In vino veritas. Glas oder Flasche?

*

Je länger es währt,
desto kürzer erscheint einem das Leben.

*

Die Buddhisten und Hindus beispielsweise falten
ihre Hände vor dem Kopf statt vor dem Bauch.

*

An jeder Universität gibt es
mehr kluge Studenten als kluge Professoren.

*

Vor Aberglauben schützt kein Heiliger.

*

Gesellig bedeutet selten gemütlich.

*

Wo die Einsamkeit gepredigt wird,
fühlt man sich sofort sehr allein.

*

Wenn man als Erwachsener
vor der Wand steht, gegen die man als Kind
gepinkelt hat, drückt einen sofort die Blase.

*

Einem Gedanken darf man ruhig ansehen,
dass man ihn sich selber gemacht hat.

*

Auf der Höhe der Zeit.
In ihren Niederungen.

*

Die Sterne lügen nicht, sagen die Karten.

*

Gedanken gehen in alle Richtungen.
Meinungen in die einmal eingeschlagene.

*

Die Vorstellung eines Himmels

ist die sehr irdische Vorfreude darauf,
irgendwann einmal auf ewig recht gehabt zu haben.

*

Moden kann man nicht verpassen.
Sie kehren alle wieder.

*

Der Dumme weiß nicht nur alles,
er sagt es auch.

*

Aphoristiker fassen sich kurz, weil sie wissen,
wie umständlich sie erzählen würden.

*

Öffentlicher Personen-Nahverkehr.
Aussitzen oder Durchstehen.

*

Am sichersten fühle ich mich davor,
wovor ich mich nicht schützen kann.

*

Im Glauben findet der Gläubige Trost.
Dafür, dass er glaubt.

*

Ein Wirt darf seinen Gast nicht verachten.

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Wer ein Haar spaltet, hat zwei zum Kämmen.

*

Um eine gotische Kirche
einen romanischen Bogen machen...

*

Wo zwei oder drei in einem Namen versammelt sind,
ist sein Träger bestimmt gerade nicht anwesend.

*

Kaum etwas berührt unangenehmer
als die Bekenntnisse von Leuten,
die nichts verbrochen haben.

*

Bezeichnend, dass Todesurteile
nicht ausgesprochen, sondern verhängt werden.

*

Der Tod begrüßt jeden
als gescheiterte Existenz.

*

Schauen zwei in denselben Himmel,
betrachten sie kaum denselben Stern.

*

Wird uns Vertrauen entgegengebracht, fühlen wir uns geehrt.
Werden wir ins Vertrauen gezogen, missbraucht.

*

Mancher kehrt mit Eifer
vor seiner eigenen Tür... um.

*

Das größte Geschenk:
eine glückliche Gegebenheit.

*

Die Wahrheit wahrt vor allem eins: Abstand.

*

Nichts zu lesen zu haben, ist immer schlimmer
als nichts zum Schreiben.

*

Ob Schäfchenwolken oder Sterne:
Wir wollen am - und so auch im - Himmel etwas sehen.

*

Aus einem Nähkästchen
kann man nicht plaudern,
ohne Sticheleien zutage zu fördern.

*

Makler. Leute, mit denen man abgeschlossen hat.

*

Dichten. Sich Empfindsamkeit zuschreiben.

*

Die Berühmtheiten vergangener Tage
erinnern an gewisse Sterne.
Sie leuchten noch, obwohl sie längst erloschen sind.

*

Der Mensch ist nicht nichts.
Nur das All ist zu gewaltig.

*

Keine Oberfläche,
unter der es nicht rumorte.

*

Herbst! - Die Blätter fallen
aus den Büchern…

 


 

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Aphorismen-Notizen | Sammelband Aphorismen

 

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