Franz Christoph Schiermeyer

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APHORISMEN

 


 

380 Aphorismen, 2000 bei Selignow, Berlin,
inhaltlich unveränderter Nachdruck 2001

 


 

[1]  Denk nach! - Wem?

[2]  Bei uns wird niemand verfolgt. Nicht einmal ein Gedanke.

[3]  Ein Engel kommt inkognito. Ein Pfarrer im Talar.

[4]  Für alles entschuldigt man sich leichter als für einzelnes.

[5]  Ein geübter Satiriker kann aus dem Stand heraus verzweifeln.

[6]  Satiriker schießen mit Pfeilen, um keine Worthülsen zu hinterlassen.

[7]  Ein Schriftsteller glaubt sich nichts. Er braucht alles Schwarz auf Weiß.

[8]  Leuten, die Zukunft haben wollen, kann man nur empfehlen, Prophet zu werden.

[9]  "Die Würde des Menschen ist unantastbar", verteidigen sich die Henker.

[10]  Es gibt Berufe, für deren Ergreifung völlig zu Recht hohe Belohnungen ausgesetzt sind.

[11]  Von den Geheimdiensten weiß man nicht einmal, wem sie dienen.

[12]  Einen Diktator kann man stürzen. Aber nicht loswerden.

[13]  Der Gedanke, dass er zu einer Maschine geworden sein könnte, kam ihm automatisch.

[14]  Auf jeden Leim krieche ich drei, vier Mal. Keiner ist klebrig genug.

[15]  Sammle dich! - Lass dir deine Zweifel nicht zerstreuen.

[16]  Jedes Gedankengebäude hat seinen Makler. Und seine Nebenkosten.

[17]  Der Philosoph fühlt sich nach einem guten Gedanken erleichtert. Der Theologe erleuchtet.

[18]  Spendenaufruf: Wenn die Kirchen jährlich auf nur einen Glaubenssatz verzichten würden, käme für alle Heiden genug zusammen.

[19]  Wenn der Teufel den lieben Gott ärgern will, liest er in der Bibel.

[20]  Letzte Instanzen kämpfen mit den meisten Vorurteilen.

[21]  Wer in größeren Zusammenhängen denkt, darf Umwege nicht scheuen.

[22]  Wenn man bedenkt, wie viele Hüter der Moral es gibt, wundert man sich, dass überhaupt noch jemand zu ihr durchdringt.

[23]  Der General schläft gut in der Nacht. Er träumt vom Krieg.

[24]  Feinde erkennen einander an der Nase. Freunde auch am Rotz.

[25]  Warnung: Wenn am Ende eines langen Gedankenganges ein Licht aufscheint, können das auch die Suchmannschaften sein.

[26]  Am Anfang war das Wort. Am Ende die Information.

[27]  Der Gläubige weiß, wann die Glocken läuten. Der Ortskundige, wo sie hängen.

[28]  Ein Moralist hat keine Moral. Er verkörpert sie nur.

[29]  Das Gute erkennt sich auch im Bösen. Das Böse selbst da nicht.

[30]  Fernsehen: der Sieg des Sehens über die Vision.

[31]  In der Mode kommt es leicht zum Äußersten.

[32]  Selbst kleine Leidenschaften kann man nicht sättigen. Nur nähren.

[33]  Letzte Woche hat ein Volksvertreter an meine Tür geklopft. Ich habe aber keins gekauft.

[34]  Der Mantel der Geschichte: die Summe aller Uniformen.

[35]  Diktatoren drücken sich selten gewählt aus.

[36]  Das Problem des Reisens scheint zu sein, dass man nicht dahin kommt, wo man ist.

[37]  Der Eitle ließe sich sofort vom Blitz erschlagen, könnten die anderen den Donner hören.

[38]  Wenn der Berg zum Propheten kommt, dann sicherlich nur, weil der ihn mal wieder versetzt hat.

[39]  Er hat eine gehobene Laufbahn eingeschlagen. In der Hoffnung, einen Teil der Strecke getragen zu werden.

[40]  Keine Tür ist so offen, dass er sie ohne Schlüsselerlebnis durchschritte.

[41]  Man sollte nur Leute zur Rede stellen, die auch eine halten können.

[42]  Er musste sein Gewissen einschläfern lassen. Es hatte zu oft andere gebissen.

[43]  Mancher Gläubige ist eitel genug, sich täglich im Beichtspiegel zu betrachten.

[44]  Wer unbedingt glauben will, den bekehrt auch der Teufel.

[45]  In Gefahr begeben wir uns auch ohne Grund. Aus ihr heraus nur mit vielen Entschuldigungen.

[46]  Lege deinem Kind nichts in die Wiege. Es liegt sich darauf wund.

[47]  Im Frühling begeistern die ersten Blumen. Im Herbst die letzten.

[48]  Folgt man den Augen dessen, der nur diagonal liest, sieht man, wie sie Seite um Seite durchstreichen.

[49]  Lieblingsautoren sterben unterm Kopfkissen.

[50]  Herbst! - Die Blätter fallen aus den Büchern...

[51]  Mit wem man nicht über das Wetter reden kann, mit dem ist auch über anderes nicht zu sprechen.

[52]  "Nur ein Strohfeuer", sagte der fröhliche Landmann, als seine Scheune brannte.

[53]  In einer Ehe, in der er das Sagen hat, hat sie gewöhnlich das Hörensagen.

[54]  Gib nicht allzu viel auf die Treue eines Menschen, der sie sich von dir halten lassen muss.

[55]  Talkmaster: Dealer in Sachen Gesprächs-Stoff.

[56]  Merke auf, wenn du gepriesen wirst: Man nennt deinen Preis.

[57]  Für Schmeicheleien sind wir nicht empfänglich. Bis der Schmeichler unseren Ton trifft.

[58]  Das Bild, das man sich von einem anderen macht, ist selten falsch. Aber oft nicht gelungen.

[59]  Was macht man mit Vorurteilen, die sich einem bestätigen, ohne dass man sie gehabt hätte?

[60]  Die es gut mit uns meinen - ob sie auch gut von uns denken?

[61]  Der Unterhalter will die Lacher auf seiner Seite haben. Der Satiriker auf ihrer.

[62]  Schließt die Theater! - Niemand lässt sich mehr etwas vormachen.

[63]  Es gibt Leute, die bringen für ihre Sache jedes Opfer. Zur Schlachtbank.

[64]  Unter den Umständen, denen wir nicht zum Opfer fallen wollen, werden wir zu Tätern.

[65]  Er ist ganz ergriffen... Von seinen Maßnahmen.

[66]  Stört an Diogenes der Argwohn, er könne jeden Tag ein neues Fass aufgemacht haben?

[67]  Früher hätte man nicht in Kalau wohnen mögen. Heute könnte man es nicht mehr bezahlen.

[68]  Wenn Frau M. einen Konflikt austrägt, darf man immer auf eine Mehrlingsgeburt hoffen.

[69]  Viel eher als einer gespaltenen Persönlichkeit begegnen wir einer parallelbewussten.

[70]  Seit ihm die Erde keine Scheibe mehr ist, scheint es dem Menschen nur noch darum zu tun zu sein, aus der Kugel eine Kiste zu machen.

[71]  Könnte es nicht sein, dass die Erde nur dazu dient, dem Mond um die Sonne zu helfen?

[72]  Merze deine Fehler nicht aus, bevor du von ihnen gelernt hast.

[73]  Alle großen Lügen haben einmal als letzte Wahrheiten angefangen.

[74]  Beachte: Die das Rennen machen, laufen selber nicht mit.

[75]  Die kleinsten Götter erwarten die größten Opfer.

[76]  Der Gott, der jedes Haar auf meinem Haupte kennt, hat täglich weniger zu zählen.

[77]  Das Leben sei kurz? Die Zeit vor meiner Geburt erschien mir kürzer.

[78]  Die einem Himmel und Hölle ausmalen, haben selten das Talent eines Michelangelos.

[79]  Die meisten Jugendsünden sind mit Altersstarrsinn ausreichend erklärt.

[80]  Ein lautes Kind macht seine Eltern nervös. Ein stilles unruhig.

[81]  Es gibt Indianer, die begraben ihr Kriegsbeil. Immer an derselben Stelle.

[82]  Sie können sich nicht versöhnen. Sie haben sich schon verbrüdert.

[83]  Geheimnisse muss man lüften. Bevor sie anfangen zu riechen.

[84]  Offene Rechnungen haben keine Unbekannten.

[85]  Als er über den Berg war, ging´s mit ihm bergab.

[86]  Aphoristiker: Apropositivisten.

[87]  Perfekt zwischen den Zeilen lesen nur die Analphabeten.

[88]  Wer zu leben versteht, versteht nicht unbedingt etwas vom Leben.

[89]  Sei ein Mensch - werde ein Auto.

[90]  Mancher, der sein Auto liebt, hält sich nebenbei ein Fahrrad.

[91]  Der Auto-Psychologe rät: Lassen Sie ein Auto nie wissen, dass es nur Ihr Zweitwagen ist.

[92]  Es sind Fälle bekannt, in denen Autos Selbstmord begingen, nur, weil sie sich ständig zurückgesetzt fühlten.

[93]  Aphoristiker fassen sich kurz: an den Kopf oder an die eigene Nase.

[94]  "Seien wir doch mal ehrlich", verraten sich die Lügner.

[95]  Niemand hat weniger zu lachen als der, der den anderen komisch vorkommt.

[96]  Er ist seiner Zeit voraus. Wetten, dass sie ihn einholen wird!?

[97]  Den geborenen Mitläufer findet man bald an der Spitze des Feldes.

[98]  Ein "geistiger Mensch" steht über den Dingen. Er verrät nur nicht, über welchen.

[99]  Als die Wahrheit zu siegen drohte, lief er zu ihr über.

[100]  Von höherer Warte aus übersieht man besonders leicht.

[101]  Bei uns kann jeder Millionär werden. Vorausgesetzt, Millionen verzichten darauf.

[102]  In einer Überflussgesellschaft ist alles erlaubt. Nur nicht, sie für überflüssig zu halten.

[103]  In einer reichen Gesellschaft kann jeder kaufen, was ihm gerade fehlt. In einer Überflussgesellschaft, was er gerade nicht wiederfindet.

[104]  Die Reichen lieben es, sich Armutszeugnisse auszustellen.

[105]  Seit unsere Daten geschützt sind, haben sie sich wieder erfreulich vermehrt.

[106]  Dem, der sich alles zutraut, traue alles zu.

[107]  Kaum jemand will die Wahrheit hören. Aber alle wollen sie gerne aussprechen.

[108]  Ins Gesicht gesagte Wahrheiten gelangen selten bis zu den Ohren.

[109]  Erwarte keine Gerechtigkeit, wo Gerechtigkeit nur geübt wird.

[110]  Zu seiner Verteidigung hatte er nur eins vorzubringen: den besten Anwalt.

[111]  Die Freude an den kleinen Dingen wächst mit der Furchtlosigkeit vor den großen.

[112]  Ein ernstes Gespräch endet im Scherz. Ein überflüssiges stirbt an seinen Witzen.

[113]  Im Namen Gottes spricht nur, wer ihn für unmündig hält.

[114]  Biete zwei Johannes Paul für einen Jean Paul.

[115]  Wunder: die Werbeblöcke der Bibel.

[116]  Die den Leuten aufs Maul schauen, wollen ihnen gewöhnlich nur nach dem Munde reden.

[117]  Keine Angst vor Wortwechseln! - Bei manchen macht man gar keinen schlechten Tausch.

[118]  Wäre die Gesprächskultur auf der Höhe der Tischsitten, würde niemand mehr in aller Öffentlichkeit nach dem letzten Wort verlangen.

[119]  Wie praktisch: Der Punkt, auf den wir eine Sache bringen, deckt sich immer mit unserem Standpunkt.

[120]  Manchem Kritiker gelingt das Unmögliche: keinen Satz stehen zu lassen, in dem nicht jedes Wort sitzt.

[121]  Weniges irritiert mich mehr, als schon Drei-, ja Zweijährige als völlig unsympathisch empfinden zu können.

[122]  Mancher begreift die Erziehung seiner Kinder als schlichtes Hand-Werk.

[123]  Mit Erziehung versuchen Eltern auszugleichen, was sie ihren Kindern vererbt haben.

[124]  Kleine Kinder nimmt man an die Hand. Große beim Wort.

[125]  Schlechte Laune verdirbt die beste Erziehung.

[126]  Kritisiere niemanden, der dich dazu ermuntert.

[127]  Unter einem Berg von Material verbirgt sich selten ein Gedanke.

[128]  Mancher schreibt auf eine Art und Weise, dass, wenn man auch nur ein einziges Komma überliest, das ganze Buch wohl unverstanden bleibt.

[129]  Aphoristiker mißtrauen den literarischen Schlachthöfen: Sie zerlegen ihre Bücher lieber selber in gebrauchsfertige Zitate.

[130]  Seine vier Wände sind ringsherum mit Büchern zugestellt. Und alle zeigen ihm den Rücken!

[131]  Künstler enden als Zierrat. Philosophen als Zitat.

[132]  Er beobachtet sich selbst auf Schritt und Tritt. Kein Wunder, dass er sich ständig verfolgt fühlt.

[133]  Am sichersten wissen wir das, was wir gar nicht wissen wollen.

[134]  Ein Aphorismus ist das, was ein Gedanke von einem anderen Gedanken übrig lässt.

[135]  Gedanken lesen? - Nur eine Frage geeigneter Lektüre.

[136]  Hände, die einem gebunden sind, kann man unmöglich waschen. Auch nicht in Unschuld.

[137]  Am erbittertsten werden die Kämpfe der Vergangenheit ausgetragen.

[138]  Stumpfe Waffen sind die fürchterlichsten.

[139]  Mit einem Hund sterben auch seine Flöhe.

[140]  In der Klinik: Er kam sich vor wie ein Untersuchungshäftling, dem der Heilungsprozess gemacht werden sollte.

[141]  Das Leben bietet alles. So lange man es nicht zu überbieten sucht.

[142]  Gegen ein ewiges Leben spricht die Aussage der meisten Menschen, dass sie "alles wieder genau so machen" würden. Unendlich oft.

[143]  Bei genauer Betrachtung verengt sich der Blickwinkel.

[144]  Meinungen kleiden. Gedanken entblößen.

[145]  Ein Kopf muss sich nicht behaupten.

[146]  Aus jedem Anhänger einer Idee wird über kurz oder lang das Anhängsel einer Ideologie.

[147]  Es gibt Sprechautomaten, die sagen nichts als die Wahrheit.

[148]  Auch wenn du nur zu bedenken geben kannst - gib immer gern und reichlich.

[149]  Die Wahrheit hat viele Kinder. Aber keine Eltern.

[150]  Mancher schwimmt gegen den Strom. Und lässt sich doch nur treiben.

[151]  Fünf Sinne sind den meisten Menschen vier zu viel. Sie brauchen nur einen Sinn des Lebens.

[152]  Kritische Masse: leider nur ein Begriff der Physik.

[153]  Zieh nicht die Summe aus einem Leben, ohne die Gegenprobe zu machen.

[154]  Wem die Mitte fehlt, der geht an seine Grenzen.

[155]  Das Zitat ist der große Bruder des kleinen Gedankens.

[156]  Wahre Büßer machen sich zu Narren. Falsche zu Propheten.

[157]  Predige nicht dem, der die Glocken läuten lassen kann.

[158]  An die Auferstehung scheint man am besten kniend glauben zu können.

[159]  Ruf nicht zum Zeugen an, auf wen du als Richter hoffst.

[160]  "Niedriger hängen!" lautet die Devise - wenn der Galgen zu hoch ist.

[161]  Die Dummheit spricht immer mit eigener Stimme. Die Weisheit leiht sie auch vom Esel.

[162]  Wo blinder Gehorsam herrscht, gibt es Brillen umsonst.

[163]  Treuherzigkeit: die Fähigkeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, ohne ihr in die Augen zu schauen.

[164]  Geht einem Hohlkopf ein Licht auf, leuchtet er von innen.

[165]  Mancher trägt sein Leben lang einen Maulkorb - und hat am Ende nichts darin gesammelt.

[166]  In welche Höhen der Adler steigt! - Um sich auf eine Maus zu stürzen.

[167]  Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wenn es sich um Fallobst handelt.

[168]  Autoren bedienen sich aus ihren Schubladen. Aphoristiker aus ihrem Papierkorb.

[169]  Was für ein Zeichen könnte mancher setzen, würde er nur mal einen Punkt machen.

[170]  Talkshow: Kein Thema ist so heiß, wie es gegessen wird.

[171]  Moderatoren argumentieren stets auf höchstem Nivelleau.

[172]  Merke: Auch wer öffentlich beichtet, bricht das Beichtgeheimnis.

[173]  Modern outcast: from outing to casting.

[174]  Achte auf den Schleifstein, wenn jemand sein Messer wetzt: Die meisten Mörder bevorzugen stumpfe Gegenstände.

[175]  Ohne Gewissen kein Bewusstsein.

[176]  Mörder marschieren. Krieger tanzen.

[177]  Streichle den Wolf, und er reisst dir ein Lamm.

[178]  Sie haben einander den Krieg erklärt. Aber keiner von beiden scheint die Erklärung des anderen verstanden zu haben.

[179]  Stunde der Wahrheit: nicht vor 22 Uhr.

[180]  Zuverlässig zur Quelle führen einen nur die Wasserträger.

[181]  "Eins musst du noch lernen", säuselt der rettende Strohhalm: "Loslassen können!"

[182]  Psychomarkt: die Umwandlung fremder Projektionen in eigene Projekte.

[183]  Es gibt Menschen, die können sich so gut in einen hineinversetzen, dass man sie regelrecht ausschwitzen muss.

[184]  Sie hatten sich in ein Gespräch vertieft, aus dem sie nur mit Mühe geborgen werden konnten.

[185]  Ihre Ehe endete mit der Erkenntnis, dass sie über ihr Verhältnis gelebt hatten.

[186]  Ihr Verhältnis zueinander entspricht dem Kürzel x : y.

[187]  Ein Paar, das alles voneinander weiß, ist in der Regel geschieden.

[188]  Die Verlässlichkeit heute ist eine allgemeine: Jeder verlässt jeden.

[189]  Menschen, die über alles jammern, verzweifeln an gar nichts.

[190]  Glänzendes Parkett: Holzweg de luxe.

[191]  Bischöfe bekleiden ein Hochamt.

[192]  Ein kardinaler Fehler, zum neuen Papst erhoben.

[193]  Agnostiker glauben auf eigene Rechnung.

[194]  Manchmal sind wir auf dem falschen Dampfer. Und doch auf dem richtigen Fluß.

[195]  In einem brüllenden Löwen erkennt der Löwe die Gefahr. Die Maus den Artgenossen.

[196]  Geld heiratet Geld aus keinem anderen Grund als dem der Gütertrennung.

[197]  Sie haben vereinbart, dass, wenn Besuch angesagt ist, sie in der Wohnung aufräumt und er in seinem Kopf.

[198]  Vor ihrer Ehe hatten sie alle möglichen Probleme. Jetzt haben sie nur noch Eheprobleme.

[199]  Kleine Geister sind gewöhnlich mit vielen großen verwandt.

[200]  "Ein recht mäßiges Verfahren", mokierte sich der Staatsanwalt nach dem Freispruch.

[201]  Er ist schon mehrfach wegen Bestechung vorbestraft, wird aber immer wieder rückgefällig.

[202]  Urteilsbegründungen sollten handschriftlich ausgefertigt werden: Damit man hinterher einen Graphologen als unabhängigen Sachverständigen beiziehen kann.

[203]  Manchem hat man nur sein Wort gegeben - und bekommt einen Wortschwall von ihm zurück.

[204]  Früher trat der Tod mit der Sense auf. Heute kommt er sensibler daher.

[205]  Ob der vierblättrige dem gemeinen Klee Glück bringt? Die Sense müsste es wissen.

[206]  Fundamentalismus: die Kellerdecke als Himmelszelt.

[207]  Wer einem Lehrer ins Haus schaut, war noch nicht beim Pfarrer zu Gast.

[208]  Sie können einander nicht das Taufwasser reichen.

[209]  Den neuen Museen fehlt am Eingang nur das Weihwasserbecken.

[210]  Im Alter hat nur das Bestand, was vor dem Kind, das man war, bestanden hätte.

[211]  Fragen, die sich stellen, muss man nur noch festnehmen.

[212]  Die Gedanken sind frei. Aber man kann sie jederzeit wieder einsperren.

[213]  Ich lasse mich gern von einem Buch gefangennehmen, bleibt am Ende der Ausgang offen.

[214]  Besonders ärgerlich sind schlechte Bücher mit korrekter Grammatik und Rechtschreibung.

[215]  Vor dem Schönreden ist das Schöndenken.

[216]  "Wer schreit, hat Unrecht!" (alte Folterer-Weisheit)

[217]  Er bekannte seine Schuld als übergroß. Quasi als Unschuld.

[218]  Volltreffer! - Er hat sich in sich selbst versenkt.

[219]  Manchmal begegnen uns Tränen, von denen wir glaubten, wir hätten sie längst aus den Augen verloren.

[220]  Den Streit zwischen Ei und Henne sollte man den Küken überlassen.

[221]  Die Krone der Schöpfung - auf wessen Haupt?

[222]  Der erste Eindruck täuscht selten. Den zweiten.

[223]  Der blaue Planet mit den blauen Flecken.

[224]  Auge um Auge, Zahn um Zahn, Umwelt um Umwelt.

[225]  In einer Umgebung, um die niemand mehr etwas gibt.

[226]  Zur Umkehr fehlt manchem nur die Einsicht. In seine Akte.

[227]  "Was sind schon zwei Brüste!", mokiert sich die Theologie: "Gegen zwei Seelen in einer?"

[228]  Manchem gerät sein Glaube zu einer besonderen Form der Undankbarkeit.

[229]  Definitiver Alptraum: In einem Himmel selig sein zu sollen - in Kenntnis einer Hölle.

[230]  Souverän erscheint einzig der Kompass: Er zeigt auch die Richtungen, in die er nicht weist.

[231]  Jeder hat das Zeug zum Komiker: Wenn er nur ernsthaft wiederholt, wobei er sich gedankenlos ertappt hat.

[232]  Es gibt schon noch Bretter vor den Köpfen. Aber keine mehr aus Tropenholz.

[233]  Unter den Betroffenen herrschen die Empörtkömmlinge.

[234]  Er hat kürzlich einen kleinen Kredit aufgenommen: Er will demnächst einen Witz auf eigene Kosten machen.

[235]  Seit ich mich selbst verwirklicht habe, bin ich völlig fertig.

[236]  Satiriker: Spitzen-Leute.

[237]  Der Unterhalter macht Witze, worüber er lachen, der Satiriker, worüber er weinen muss.

[238]  Die Aufforderung sich zu ändern, befolgen stets die, von denen man wünschte, sie täten das nicht.

[239]  Gedanken, die einem tagsüber ausgehen, kehren abends mit etwas Farbe zurück.

[240]  Aphoristiker: Zwischenrufer in der Wüste.

[241]  "Der Weg ist das Ziel", behaupten die, die ihren verloren haben.

[242]  Auf dem Psychomarkt herrscht ein harter Verdrängungs-Wettbewerb.

[243]  Am meisten beschäftigen uns die, mit denen wir fertig sind.

[244]  Die den Hass nicht zulassen, sind gewöhnlich Meister der Verachtung.

[245]  Auch Selbstgespräche sollten höflich geführt werden.

[246]  Jede Wolke kann die Sonne verbergen. Aber keine ihr Licht.

[247]  Den Schatten, der auf einem liegt, wirft man nicht selber.

[248]  An der frischen Luft verliert sich jeder Stallgeruch.

[249]  Der Baum fällt in die Richtung, in die er neigt.

[250]  Je leichter der Abschied, desto wortreicher.

[251]  Bettgenosse: jemand, der immer daneben liegt.

[252]  Auch der höchste Baum wirft seine Früchte auf die Erde. Und nicht in den Himmel.

[253]  Wenn Eltern und Kinder von einem Tisch aufstehen, sind beide satt von Ermahnungen.

[254]  Er begreift sein Leben als ein Geschenk, hat es aber noch nicht ausgepackt.

[255]  Wer in einer Menge badet, macht viele andere schmutzig.

[256]  Wer das Sagen hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

[257]  Die Französische Revolution: ein anerkanntes Fallbei(l)spiel.

[258]  Auschwitz wird nie vergessen werden: Alle Nazis werden es auf ewig leugnen. Oder sich für immer dazu bekennen.

[259]  Man kann viel aus der Geschichte lernen. Aber offensichtlich nicht alles behalten.

[260]  Henker sind privat ganz anders.

[261]  Man gewinnt nichts, wenn der andere alles verliert.

[262]  "Aus Schaden wird man klug", sagte der Dumme. Und richtete ihn an.

[263]  Wenn Traditionen daniederliegen, müssen sie gepflegt werden.

[264]  Er fühlte so pazifistisch, dass er es sogar ablehnte, eine Fremdsprache zu beherrschen.

[265]  Nur Weniges, und aus Achtung wird Ächtung.

[266]  Ein kleineres Übel, das rasch genug wächst, ist bald ein größeres.

[267]  Der Wahrheit wird gerne die Ehre gegeben. Aber ungern die Macht.

[268]  Kaum spricht man eine Wahrheit aus, und schon ist sie weg.

[269]  An einem falschen Ort kann man nichts Richtiges sagen.

[270]  Jede neue Generation tut gerade so, als habe sie die Erde rund getreten.

[271]  Meine abgelegten Hosen, Hemden, Bekenntnisse...

[272]  Es mag Menschen geben, die ihr Leben als Dasein empfinden. Mir erscheint meines von klein auf eher als Dortsein.

[273]  Besser eine Religion mit vielen Göttern als viele Religionen mit einem: Im ersten Fall bekämpfen sich die Götter im Himmel. Im zweiten die Menschen auf Erden.

[274]  Am heftigsten bejammert wird das, dessen man sich nicht zur rechten Zeit erfreut hat.

[275]  Wenn Gedanken im Kreis gehen, kommt es auf den Radius an.

[276]  Nichts zähmt besser als Füttern.

[277]  Er führt jeden Gedanken aus. An der Leine seiner Überzeugung.

[278]  Ein Edelstein ist nicht weniger wert, wenn er seine Fassung verliert.

[279]  Festversammlungen sind konspirative Treffen unter Einschluss der Öffentlichkeit.

[280]  Die seltsame - und auch ergreifende - Vorstellung, dass man nach dem irdischen Leben noch Kraft für ein ewiges hätte.

[281]  Die Sterne sind die Friedhöfe der Menschheit: Auf jedem ruhen Milliarden von Blicken.

[282]  Dichter schreiben ins Reine. Aphoristiker ins Unreine.

[283]  Satiriker! - Auch aus Brennesseln wird Suppe gemacht.

[284]  Rechne auch mit denen, auf die du nicht zählen kannst.

[285]  Unausgegorenes berauscht am schnellsten.

[286]  Messen heißt genau relativieren.

[287]  Was er sagt, entspricht der Wahrheit. Unklar ist nur, in welchem Maßstab.

[288]  "Kleine Weisheiten" sind immer niedlich. Aber selten schon stubenrein.

[289]  Es gibt keine kompletten Idioten: Zwei, drei Albernheiten fehlen jedem.

[290]  Die Kehrseite einer Medaille ist jene, auf die man nicht gesetzt hat.

[291]  Kriege: Fußnoten der Geschichte. In Stiefeln.

[292]  Er hat etwas auf seine Fahne geschrieben. Was man am besten wird lesen können, wenn er sie wieder vom Mast holt.

[293]  Ein Übel, dem wir nur beikommen wollten - wie schnell haben wir ihm beigewohnt.

[294]  Ein reiner Mensch macht mehr Wäsche schmutzig, als ein reinlicher waschen kann.

[295]  Er lässt sich gehen. Und er weiß auch schon genau, wohin.

[296]  Liebe Gewohnheiten sind selten willkommen.

[297]  Die sich alles versagen, versprechen sich von allem zu viel.

[298]  Mach dir nichts vor: Ein Vogel, der dir zufliegt, sucht nur seinen alten Käfig.

[299]  Schlagfertigkeit: unkontrollierter Reflex des Denkvermögens.

[300]  Prinzipien suchen sich ihre Reiter selber.

[301]  Viele Gedanken kreisen. Aber nur wenige landen.

[302]  So selbstlos kann niemand sein, dass ihm der Böswillige nicht ein übles Motiv unterstellte.

[303]  Wenn es uns gleichgültig wird, was die Leute von uns halten, wollen wir schlecht von ihnen denken dürfen.

[304]  In der Erziehung und in der Kunst beginnt man als Meister. Und endet als Lehrling.

[305]  Auch Vögel hinterlassen Fußspuren.

[306]  Rennfahrer: letal immer gut drauf.

[307]  Geh mit der Zeit - lass alle Hoffnung fahren.

[308]  Er glaubt an Gott. Aber nur in Übereinstimmung mit seiner Religion.

[309]  Die Aufforderung, Kirche und Glauben auseinanderzuhalten, kommt immer aus der Kirche. Nie aus dem Glauben.

[310]  Hat man die Kirche in dem einen Dorf gelassen, sieht man im Nachbardorf schon die nächste.

[311]  "In vino veritas." Glas oder Flasche?

[312]  Er würde niemals billigen Fusel trinken. Aber billiges Gefasel schmeckt ihm.

[313]  Was könnte man über den Menschen Gutes sagen, das einem nicht sofort zum eigenen Nachteil gereichte?

[314]  Die Quelle des banalen Unglücks entspringt dem Unvermögen, zwischen Wunsch und Hoffnung unterscheiden zu können.

[315]  Nichts vermissen wir mehr als das, dessen wir zwar nicht bedürfen, das uns aber eigentlich zustünde.

[316]  Er fühlt sich wunderbar getragen. Am liebsten über seine Hemmschwellen.

[317]  Was wir durchschauen, verliert alle Bedeutung für uns. Oder gewinnt sie endlich.

[318]  Man muss einen Gegenstand von allen Seiten betrachten - will man alle möglichen Ansichten von ihm haben.

[319]  Gibt es etwas, das trauriger anzusehen wäre als ein Akrobat, der versucht, sein Leben vom Kopf auf die Füße zu stellen?

[320]  Mancher lacht über sich selbst ohne jeden Grund.

[321]  Man kann einen Gedanken so oder so formulieren. Aber nicht anders denken.

[322]  Einem Gedanken darf man ruhig ansehen, dass man ihn sich selber gemacht hat.

[323]  Er spielt so lange mit einem Gedanken, bis er ihn ins Aus formuliert hat.

[324]  Er erhebt sich niemals über seine Mitmenschen: Er kriecht lieber unter ihnen hindurch.

[325]  Der kategorische Imperativ kam gleich als Imperfekt zur Welt.

[326]  Der Krieg ist der Helden Tod.

[327]  Gedenkminute: sechzig verpasste Schrecksekunden.

[328]  Im Kaufhaus kauft er, was ihm fehlt. Und in seiner Kirche, worin er fehlt.

[329]  Sie faltet ihre Hände nicht anders als ihre Servietten: zu kleinen, überraschenden und ganz und gar belanglosen Kunstwerken.

[330]  Ein lieber Gott, dem schon mal die Hand ausrutscht.

[331]  Kleine Litanei: Etcetera in excelsis deo.

[332]  Im Glauben findet der Gläubige Trost: dafür, dass er glaubt.

[333]  Die Buddhisten und Hindus beispielsweise falten ihre Hände vor dem Kopf statt vor dem Bauch.

[334]  Nichts belastet den Geldbeutel weniger, als Applaus zu spenden.

[335]  Auf der Höhe der Zeit: in ihren Niederungen.

[336]  Gesellig bedeutet selten gemütlich.

[337]  Je öfter man niederkniet, desto gelenkiger werden die Glieder.

[338]  Sollte ich dereinst auferstehen müssen, dann bestimmt mit dem linken Fuß zuerst.

[339]  Renaissance: altmodisches Wort für Recycling.

[340]  Nichts ist Eltern tröstlicher als das Geschrei fremder Kinder.

[341]  Die alles beobachten, sehen selten etwas.

[342]  Ein Regenschirm schützt vor Regen. Wovor schützt ein Bildschirm?

[343]  Nicht jeder Baum, an dem eine Sau sich reibt, ist eine Eiche.

[344]  Zwei grundverschiedene Tugenden zeugen eine dritte. Zwei vergleichbare ein Laster.

[345]  Gedanken gehen in alle Richtungen. Meinungen in die einmal eingeschlagene.

[346]  Ein Wirt darf seinen Gast nicht verachten.

[347]  Um eine gotische Kirche einen romanischen Bogen machen...

[348]  Die Psychologie kann man nur mit einer gewissen Therapietätlosigkeit betrachten.

[349]  Über dem Erlittenen wächst Gras. Über der Geschichte Rasen.

[350]  Je länger es währt, desto kürzer erscheint einem das Leben.

[351]  "Die Sterne lügen nicht", sagen die Karten.

[352]  Wenn man als Erwachsener vor der Wand steht, gegen die man als Kind gepinkelt hat, drückt einen sofort die Blase.

[353]  Die Vorstellung eines Himmels ist die sehr irdische Vorfreude darauf, irgendwann einmal auf ewig recht gehabt zu haben.

[354]  Schauen zwei in denselben Himmel, betrachten sie kaum denselben Stern.

[355]  Wer ein Haar spaltet, hat zwei zum Kämmen.

[356]  Der Dumme weiß nicht nur alles - er sagt es auch.

[357]  Moden kann man nicht verpassen. Sie kehren alle wieder.

[358]  Wo die Einsamkeit gepredigt wird, fühlt man sich sofort sehr allein.

[359]  An jeder Universität gibt es mehr kluge Studenten als kluge Professoren.

[360]  Die Wahrheit wahrt vor allem eins: Abstand.

[361]  Vor Aberglauben schützt kein Heiliger.

[362]  Wo zwei oder drei in einem Namen versammelt sind, ist sein Träger bestimmt gerade nicht anwesend.

[363]  Wird uns Vertrauen entgegengebracht, fühlen wir uns geehrt. Werden wir ins Vertrauen gezogen, missbraucht.

[364]  Die Berühmtheiten vergangener Tage erinnern an bestimmte Sterne: Sie leuchten noch, obwohl sie längst erloschen sind.

[365]  Der Tod begrüßt jeden als "gescheiterte Existenz".

[366[  Makler: Leute, mit denen man abgeschlossen hat.

[367]  Aphoristiker fassen sich kurz, weil sie wissen, wie umständlich sie erzählen würden.

[368]  Versuchungen sind Prüfungen, von denen man hinterher nicht erfährt, ob man sie bestanden hat.

[369]  Ob Schäfchenwolken oder Sterne: Wir wollen am - und so auch im - Himmel etwas sehen.

[370]  Der Mensch ist nicht nichts. Nur das All ist zu gewaltig.

[371]  Keine Oberfläche, unter der es nicht rumorte.

[372]  Am sichersten fühle ich mich davor, wovor ich mich nicht schützen kann.

[373]  Kaum etwas berührt unangenehmer als die Bekenntnisse von Leuten, die nichts verbrochen haben.

[374]  "Öffentlicher Personen-Nahverkehr": Aussitzen oder Durchstehen.

[375]  Dichten: sich Empfindsamkeit zuschreiben.

[376]  Mancher kehrt mit Eifer vor seiner eigenen Tür... um.

[377]  Aus einem Nähkästchen kann man nicht plaudern, ohne Sticheleien zutage zu fördern.

[378]  Nichts zu lesen zu haben, ist immer schlimmer als nichts zum Schreiben.

[379]  Bezeichnend, dass Todesurteile nicht ausgesprochen, sondern verhängt werden.

[380]  Das größte Geschenk: eine glückliche Gegebenheit.

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