Franz Christoph Schiermeyer

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NACHSCHLAG

 


 

115 neue und nachgetragene Aphorismen,
jüngste Aktualisierung am 15.05.2018;
vorläufige Reihenfolge und Formulierung

 


 

[1000]  Aphorismen sind selbstvergessene Merksätze.

[1001]  Lieber kein Vorwort. Denn ich weiß nicht, ob ich meine Vorsätze werde halten können.

[1002]  Eine langatmige Einleitung ersetzt jedes Schäfchenzählen.

[1003]  Wer hoffte nicht auf ein Schäferstündchen beim Schäfchenzählen?

[1004]  Besinnungsbüchlein. Sentendenzen wäre der passendere Untertitel.

[1005]  Das Lesebändchen ist eine Leine, an der man seine Lektüre hinter sich herziehen kann.

[1006]  Ich bin es so gewohnt, zwischen den Zeilen zu lesen, dass sich mir der Sinn einer Zahlungsaufforderung nicht recht erschließen will.

[1007]  Der Holzweg. Aus nachwachsendem Rohstoff.

[1008]  Königswege gibt es nur in Monarchien.

[1009]  In eine Demokratie hineingeboren zu werden, ist kein Verdienst. In einer zu sterben, unter Umständen schon.

[1010]  Wer allem auf den Grund gehen muss, darf sich nicht wundern, wenn ihm der Arsch auf Grundeis geht.

[1011]  Leider ist es mir nicht möglich, Ihre freundliche Einladung auszuschlagen. Könnten Sie mir stattdessen bitte eine Vorladung schicken, die ich leichten Herzens ignorieren kann?

[1012]  An einem fremden Tisch schmeckt alles Gewohnte besser als am eigenen.

[1013]  In kleiner Runde fühle ich mich wohl. Für große fehlt mir der Atem.

[1014]  Kein Marathonläufer hat heute eine andere Botschaft zu überbringen als sich selbst. Nicht einmal enden will er wie sein Vorbild.

[1015]  Hinter Lichtschranken muss man keine Lichtgestalten vermuten.

[1016]  Um das, was im Raum steht, kann der Bogen nicht groß genug sein.

[1017]  Auf Augenhöhe. Das Kaninchen vor der Schlange.

[1018]  Selten, dass eine Gefahr lauert. Meist kommt sie ganz offen daher.

[1019]  Es ist gefährlich, alles als brandgefährlich zu bezeichnen. Es suggeriert die Existenz einer einsatzbereiten Feuerwehr.

[1020]  Der Macher. Er möchte unbedingt etwas anschieben, bewegen, gegen die Wand fahren.

[1021]  Christus stürbe heute nicht am Kreuz, sondern an einer namenlosen Kreuzung. Zwischen zwei Rasern.

[1022]  Den Rasern freie Bahn, der Rettung eine Gasse.

[1023]  Gibt es ein größeres Verkehrshindernis als das Auto?

[1024]  Autofahrer. Haltlose Zeitgenossen.

[1025]  Der Gleichgültigkeit ist alles gleich. Aber nichts gültig.

[1026]  Eine schnell gefällte Entscheidung fällt vorzugsweise in die eigene Richtung.

[1027]  Die gemeine Neugier ist nie befriedigt. Sie sucht sofort den nächsten Schauder.

Gerüchte verbreiten sich schneller als Gerüche.

[1028]  Anteilnahme nimmt gerne teil. Aber ungern an.

[1029]  Es gibt genügend Antworten, zu denen nur noch die Fragen fehlen. Außer in den Quizsendungen.

[1030]  Quizsendungen, Sportübertragungen, Talkrunden... Ich vermisse regelmäßige Brennpunkte zur allgemeinen Langweile.

[1031]  Wie gut, dass der Fernseher so nah steht.

[1032]  Fernbedienung. Nur ein Wort, und seine Frau bringt ihm bereitwillig, was ihm zu seiner Entspannung fehlt.

[1033]  Laut Werbung leidet die eine Hälfte der Bürger an Durchfall, die andere an Verstopfung. Beiden möchte man den Stuhl vor die Tür setzen.

[1034]  Talg-Show.

[1035]  Deutschland geht es gut. Darum überall die fröhlichen Menschen auf den Straßen.

[1036]  Konsumma summarum geht´s nur ums Shoppen.

[1037]  Verkaufsoffener Sonntag. Den kaufe ich mir!

[1038]  Wie schön, etwas zu haben, das anderen nicht fehlt.

[1039]  Wirtschaftsvergehen. Kapitale Verbrecher stolpern über Peanuts.

[1040]  Spätkapitalismus. Marx und Sein erschütternd.

[1041]  Trost der Propheten. Die eigenen Vorhersagen nicht mehr selbst erleben zu müssen.

[1042]  Potemkische Dörfer täuschen vielleicht den Zaren. Aber nicht deren Bewohner.

[1043]  Je kleiner der sogenannte kleine Mann gemacht wird, zu so erschreckenderer Größe wächst er heran.

[1044]  Diätenerhöhung. Der Abgeordnete macht öffentliche Bedürfnisanstalten.

[1045]  Regierungsbildung. Vor den Personalfragen geht´s zur Sache.

[1046]  Den Heimatminister stelle ich mir als Gartenzwerg vor.

[1047]  Das Einzige, was sich über die derzeitigen Regierungsparteien sagen lässt, ist, dass sie vier Jahre lang miteinander geschlafen haben. Ohne dass am Ende etwas dabei herausgekommen wäre.

[1048]  Alle vier Jahre hat der Wähler das Wort. Welche Verschwendung in Anbetracht einer vollentwickelten Stimme!

[1049]  Kann man es einem Bürger verübeln, wenn er zwischen zwei Wahlen in den Stimmbruch gerät und mündig wird?

[1050]  Ein Taugenichts an der Spitze beflügelt alle Tunichtgute.

[1051]  Nationalisten. Der Blut- und Bodensatz einer Gesellschaft.

[1052]  Krieg: Friedensschluss.

[1053]  Amerika. Die Quadratur des Oval Offices.

[1054]  Die Mär, dass bei uns jeder alles werden kann, ist nur zusammen mit den Waffengesetzen aus Amerika zu importieren.

[1055]  Das Okay mit gedehnter Betonung auf der zweiten Silbe ist inzwischen als so albern erkannt worden, dass dankenswerterweise wieder darauf verzichtet wird.

[1056]  Global player. Too big to feel.

[1057]  Geborene Lügner sind schon zweisprachig aufgewachsen.

[1058]  Zeit sei Geld? Da können sich die Armen auf die Ewigkeit freuen.

[1059]  Der eine wird abgefunden, der andere muss sich selber abfinden.

[1060]  Altersarmut. Nicht jeder hat den Trost, die Rückverpflichtung aufs franziskanische Ideal gelassen annehmen zu können.

[1061]  Armut, Keuschheit und Gehorsam, diese drei. Am größten aber ist die Armut.

[1062]  Weitsichtige Eltern behandeln ihre Kinder so, dass diese sie im Alter nicht verdientermaßen in die Wüste schicken. Sondern in die Wälder.

[1063]  Am Generationenvertrag gelten nur noch die geheimen Nebenabsprachen. Zugunsten vertragsfreier Erben.

[1064]  Kinder, denen von vornherein alles verziehen wird, sind bald verzogen.

[1065]  Kuschelpädagogik. Setz dich in die Ecke!

[1066]  Die nächste Generation muss austrinken, worin wir gebadet haben.

[1067]  Allerdings: Wozu brauchen Menschen, die sich auf Sonnenbänke legen, Regenwälder?

[1068]  Seinem Alter und Verhalten nach zu urteilen, ist nicht auszuschließen, dass der Mensch in die Phase fortgeschrittener Demenz eingetreten ist.

[1069]  Nachdem ich mich vor meiner Geburt nicht geängstigt habe, warum sollte ich mich vor meinem Tod fürchten?

[1070]  Ginge es mir nach meinem Tod so gut wie vor meiner Geburt, fühlte ich mich in nichts betrogen.

[1071]  Der Tod ist eine Tür, die von keiner Seite verriegelt werden kann.

[1072]  Statt Tod. Könnten wir uns nicht auf den Begriff Freistellung vom Leben einigen?

[1073]  Jedem Euphemismus droht der Ersatz, sobald seine ursprüngliche Bedeutung wiederhergestellt ist.

[1074]  Es gibt mehr parfürmierte Wörter als eingeseifte Zeitgenossen.

[1075]  Der Opportunist weiß immer, woherder Wind weht. Sogar bei absoluter Flaute.

[1076]  Der Mantel des Schweigens ist das bevorzugte Kleidungsstück des Exibitionisten.

[1077]  Am schnellsten aus dem Ärmel geschüttelt sind die gezinkten Karten.

[1078]  Dass wir ständig denken, auch wenn wir nur dasitzen, sagt nichts aus über die Qualität unserer Gedanken. Oder die unseres Sitzfleisches.

[1079]  Am geschicktesten verborgen ist die eigene Dummheit unter einem Doktortitel.

[1080]  Natürlich könnte ich auch anders! Aber meine Selbstbestimmung ist ihr eigener Herr.

[1081]  Der exakten Wissenschaft bleibe ich bestimmt ein Rätsel. Und sie mir auch.

[1082]  Fünfe grade sein zu lassen, ist kein Problem, wenn man sich darauf versteht, gelegentlich mal eins ab- oder hinzuzuzählen.

[1083]  Wundere dich nicht, dass jemand Anstoß nimmt, wenn du Anstöße gibst.

[1084]  Bevor du deine Abgründe abschaffst, überlege, wohinein du dich stattdessen notfalls stürzen kannst.

[1085]  Verzeih ein dir zugefügtes Unrecht, und du wirst sehen, wie unverzeihlich das in fremden Augen ist.

[1086]  Iustitia ist blind. Und sie hört auch schlecht.

[1087]  Könnte man doch einen schönen Hintern von vorn betrachten! Zugleich mit einem schönen Gesicht.

[1088]  Ein glückliches Paar. Sie tun einander jedes Gefallen.

[1089]  Innere Werte leiden nicht unter äußerer Entsprechung.

[1090]  Der Dilettant malt mit Herzblut. Der Malerfürst versucht´s mit allen Mitteln.

[1091]  Wie gerne hielte man ihn für ein Genie, gäbe es irgendetwas, vor dem er sich genierte.

[1092]  Für einen Besuch des örtlichen Kunsttempels fehlt mir der Glaube an die dort installierten Hohenpriester.

[1093]  Selten habe ich so gelacht wie in Ihrer Kirche! Solch frohe Botschaft erreichte mich ohne Umwege.

[1094]  Jeder bekehre vor seiner eigenen Tür.

[1095]  Der Agnostiker. Dem einen ein Häretiker, dem anderen ein Betbruder.

[1096]  Einer von beiden muss glauben an die sogenannte gegenseitige Befruchtung.

[1097]  Die Moral ist ein Korsett, das die natürlichen Vorzüge betont und die erworbenen nicht einschnürt.

[1098]  Zwischen dem Fressen und der Paarung wandelt sich die Irritation des Leithammels über die Zurückhaltung seiner Artgenossen in Verachtung.

[1099]  Die Not der Frau ist eine andere als die des Mannes. Er muss die Prüfungen bestehen und sie muss wählen.

[1100]  Die Liebe wählt den einen anstelle aller. Der Hass alle anstelle des einen.

[1101]  Wechseljahre. Sie wird immer herrischer und er entdeckt seine weibliche Seite.

[1102]  In den Sechzigern. Rock und Roller!

[1103]  Vom Sexappeal zum Sexappeeling.

[1104]  Sie kennen sich in- und auswendig. Und leiern beides ohne Stocken herunter.

[1105]  Resignieren. Er unterschreibt ihr Dokument und sie seins.

[1106]  Er hat seine Quittung bekommen. Mag sie aber nirgendwo vorlegen.

[1107]  Ein Ziel sollte weit genug entfernt sein, um sich jederzeit zur Umkehr entschließen zu können.

[1108]  Der Aphoristiker. Auf dem Dachboden seines Kartenhauses steht ein kleiner, leerer Koffer. Dorthinein muss alles passen.

[1109]  Aphoristiker unterbrechen ihr Schweigen nur kurz.

[1110]  Rückblick. Eine stattliche Anzahl von Jahren gefühlten Lebens.

[1111]  Je höher der Turm, desto fataler die Aussicht.

[1112]  Sein kann man nicht haben.

[1113]  Suizid. EndSchleunigung.

[1114]  Herbst... Klingt wie ein leises Hilfe!

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