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Denk nach! - Wem?

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Bei uns wird niemand verfolgt.
Nicht einmal ein Gedanke.

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Ein Engel kommt inkognito.
Ein Pfarrer im Talar.

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Für alles entschuldigt man sich
leichter als für Einzelnes.

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Ein geübter Satiriker kann
aus dem Stand heraus verzweifeln.

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Sammle dich! - Lass dir
deine Zweifel nicht zerstreuen.

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Auf jeden Leim
krieche ich drei, vier Mal.
Keiner ist klebrig genug.

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Der Gedanke, dass er
zu einer Maschine geworden
sein könnte, kam ihm automatisch.

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Einen Diktator kann man stürzen.
Aber nicht loswerden.

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Von den Geheimdiensten weiß man
nicht einmal, wem sie dienen.

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Ohne Gewissen kein Bewusstsein.

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Ein Schriftsteller glaubt sich nichts.
Er braucht alles Schwarz auf Weiß.

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Es gibt Berufe, für deren
Ergreifung völlig zu Recht
hohe Belohnungen ausgesetzt sind.

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Die Würde des Menschen
ist unantastbar,
verteidigen sich die Henker.

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Der Philosoph fühlt sich
nach einem guten Gedanken
erleichtert. Der Theologe erleuchtet.

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Wenn der Teufel den lieben Gott
ärgern will, liest er in der Bibel.

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Leuten, die Zukunft haben wollen,
kann man nur empfehlen,
Prophet zu werden.

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Spendenaufruf.
Wenn die Kirchen jährlich
auf nur einen Glaubenssatz
verzichten würden, käme für
alle Heiden genug zusammen.

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Satiriker schießen mit Pfeilen,
um keine Worthülsen zu hinterlassen.

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Der General schläft gut
in der Nacht. Er träumt vom Krieg.

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Jedes Gedankengebäude
hat seinen Makler.
Und seine Nebenkosten.

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Diktatoren drücken sich
selten gewählt aus.

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Der Gläubige weiß,
wann die Glocken läuten.
Der Ortskundige, wo sie hängen.

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Feinde erkennen einander
an der Nase. Freunde auch am Rotz.

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Wenn man bedenkt,

wie viele Hüter der Moral es gibt,
wundert man sich, dass überhaupt
noch jemand zu ihr durchdringt.

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Wer in größeren Zusammenhängen
denkt, darf Umwege nicht scheuen.

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Warnung. Wenn am Ende
eines langen Gedankenganges
ein Licht aufscheint, können das auch
die Suchmannschaften sein.

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Letzte Instanzen kämpfen
mit den meisten Vorurteilen.

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Fernsehen. Der Sieg
des Sehens über die Vision.

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Ein Moralist hat keine Moral.
Er verkörpert sie nur.

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Das Gute erkennt sich auch im Bösen.
Das Böse selbst da nicht.

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Der Mantel der Geschichte:
die Summe aller Uniformen.

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Selbst kleine Leidenschaften
kann man nicht sättigen. Nur nähren.

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Letzte Woche hat ein Volksvertreter
an meine Tür geklopft.
Ich habe aber keins gekauft.

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In der Mode kommt es
leicht zum Äußersten.

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Am Anfang war das Wort.
Am Ende die Information.

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Ein Kopf muss sich nicht behaupten.

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Wer unbedingt glauben will,
den bekehrt auch der Teufel.

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Mancher Gläubige
ist eitel genug, sich täglich
im Beichtspiegel zu betrachten.

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Der Eitle ließe sich sofort
vom Blitz erschlagen, könnten

die anderen den Donner hören.

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Er hat eine gehobene Laufbahn
eingeschlagen. In der Hoffnung, einen

Teil der Strecke getragen zu werden.

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Er musste sein Gewissen
einschläfern lassen.
Es hatte zu oft andere gebissen.

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Nur ein Strohfeuer!
sagte der fröhliche Landmann,
als seine Scheune brannte.

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Man sollte nur Leute zur Rede stellen,
die auch eine halten können.

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Wenn der Berg zum Propheten
kommt, dann sicherlich nur,
weil der ihn mal wieder versetzt hat.

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Keine Tür ist so offen, dass er sie
ohne Schlüsselerlebnis durchschritte.

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In Gefahr begeben wir uns
auch ohne Grund. Aus ihr heraus
nur mit vielen Entschuldigungen.

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Das Problem des Reisens
scheint zu sein, dass man nicht
dahin kommt, wo man ist.

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Im Frühling begeistern
die ersten Blumen.
Im Herbst die letzten.

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Lieblingsautoren
sterben unterm Kopfkissen.

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Leg deinem Kind nichts in die Wiege!
Es liegt sich darauf wund.

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Gib nicht allzu viel auf die Treue
eines Menschen, der sie sich
von dir halten lassen muss.

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Folgt man den Augen dessen,
der nur diagonal liest, sieht man,
wie sie Seite um Seite durchstreichen.

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In einer Ehe, in der er das Sagen hat,
hat sie gewöhnlich das Hörensagen.

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Mit wem man nicht über das Wetter
reden kann, mit dem ist auch
über anderes nicht zu sprechen.

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Er spielt so lange
mit einem Gedanken, bis er ihn
ins Aus formuliert hat.

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Talkmaster. Dealer
in Sachen Gesprächs-Stoff.

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Der Unterhalter will die Lacher
auf seiner Seite haben.
Der Satiriker auf der anderen.

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Für Schmeicheleien
sind wir nicht empfänglich.
Bis der Schmeichler unseren Ton trifft.

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Das Bild, das man sich
von einem anderen macht,
ist selten falsch. Aber oft nicht gelungen.

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Was macht man mit Vorurteilen,
die sich einem bestätigen,
ohne dass man sie gehabt hätte?

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Es gibt Leute, die bringen für ihre Sache
jedes Opfer. Zur Schlachtbank.

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Die es gut mit uns meinen -
ob sie auch gut von uns denken?

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Er ist ganz ergriffen...
von seinen Maßnahmen.

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Unter den Umständen,
denen wir nicht zum Opfer fallen wollen,
werden wir zu Tätern.

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Merke auf, wenn du gepriesen wirst.
Man nennt deinen Preis.

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Wenn Frau M. einen Konflikt austrägt,
darf man immer auf eine
Mehrlingsgeburt hoffen.

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Stört an Diogenes der Argwohn,
er könne jeden Tag ein neues Fass
aufgemacht haben?

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Früher hätte man nicht in Kalau
wohnen mögen. Heute könnte man
es nicht mehr bezahlen.

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Schließt die Theater! - Niemand
lässt sich mehr etwas vormachen.

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Die kleinsten Götter
erwarten die größten Opfer.

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Beachte: Die das Rennen machen,
laufen selber nicht mit.

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Alle großen Lügen haben einmal
als letzte Wahrheiten angefangen.

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Könnte es nicht sein,
dass die Erde nur dazu dient,
dem Mond um die Sonne zu helfen?

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Seit ihm die Erde keine Scheibe
mehr ist, scheint es dem Menschen
nur noch darum zu tun zu sein,
aus der Kugel eine Kiste zu machen.

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Merze deine Fehler nicht aus,
bevor du von ihnen gelernt hast.

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Viel eher als einer gespaltenen
Persönlichkeit begegnen wir
einer parallelbewussten.

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Ein lautes Kind
macht seine Eltern nervös.
Ein stilles unruhig.

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Die meisten Jugendsünden
sind mit Altersstarrsinn
ausreichend erklärt.

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Es gibt Indianer,
die begraben ihr Kriegsbeil.
Immer an derselben Stelle.

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Die einem Himmel und Hölle
ausmalen, haben selten
das Talent eines Michelangelos.

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Geheimnisse muss man lüften.
Bevor sie anfangen zu riechen.

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Der Gott, der jedes Haar
auf meinem Haupte kennt,
hat täglich weniger zu zählen.

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Das Leben sei kurz?
Die Zeit vor meiner Geburt
erschien mir kürzer.

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Aphoristiker: Apropositivisten.

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Seien wir doch mal ehrlich,
verraten sich die Lügner.

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Niemand hat weniger zu lachen
als der, der den anderen
komisch vorkommt.

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Mancher, der sein Auto liebt,
hält sich nebenbei ein Fahrrad.

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Ein "geistiger Mensch"
steht über den Dingen.
Er verrät nur nicht, über welchen.

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Sie können sich nicht versöhnen.
Sie haben sich schon verbrüdert.

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Als er über den Berg war,
ging´s mit ihm bergab.

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Von höherer Warte aus
übersieht man besonders leicht.

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Perfekt zwischen den Zeilen
lesen nur die Analphabeten.

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Wer zu leben versteht, versteht nicht
unbedingt etwas vom Leben.

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Aphoristiker fassen sich kurz.
An den Kopf oder an die eigene Nase.

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Sei ein Mensch, werde ein Auto.

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Seit unsere Daten geschützt sind,
haben sie sich wieder erfreulich vermehrt.

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Offene Rechnungen
haben keine Unbekannten.

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