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Er ist seiner Zeit voraus.
Wetten, dass sie ihn einholen wird!?

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Den geborenen Mitläufer findet man
bald an der Spitze des Feldes.

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Der Auto-Psychologe rät:
Lassen Sie ein Auto nie wissen,
dass es nur Ihr Zweitwagen ist.

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Bei uns kann jeder
Millionär werden. Vorausgesetzt,
Millionen verzichten darauf.

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Die Reichen lieben es,
sich Armutszeugnisse auszustellen.

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Keine Angst vor Wortwechseln!
Bei manchen macht man
gar keinen schlechten Tausch.

*

Zu seiner Verteidigung hatte er
nur eins vorzubringen:
den besten Anwalt.

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Im Namen Gottes spricht nur,
wer ihn für unmündig hält.

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Unter einem Berg von Material
verbirgt sich selten ein Gedanke.

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Erwarte keine Gerechtigkeit,
wo Gerechtigkeit nur geübt wird.

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Als die Wahrheit zu siegen drohte,
lief er zu ihr über.

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In einer reichen Gesellschaft
kann jeder kaufen, was ihm gerade fehlt.
In einer Überflussgesellschaft,
was er gerade nicht wiederfindet.

*

Die Freude an den kleinen Dingen
wächst mit der Furchtlosigkeit
vor den großen.

*
Kleine Kinder

nimmt man an die Hand.
Große beim Wort.

*

 

 

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Kritisiere niemanden,
der dich dazu ermuntert.

*

Ein ernstes Gespräch
endet im Scherz. Ein überflüssiges
stirbt an seinen Witzen.

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Kaum jemand will die Wahrheit hören.
Aber alle wollen sie gerne aussprechen.

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Es sind Fälle bekannt, in denen Autos
Selbstmord begingen, nur, weil sie sich

ständig zurückgesetzt fühlten.

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In einer Überflussgesellschaft
ist alles erlaubt. Nur nicht,
sie für überflüssig zu halten.

*

Dem, der sich alles zutraut,
traue alles zu.

*
Biete zwei Johannes Paul
für einen Jean Paul.

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Wunder.
Die Werbeblöcke der Bibel.

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Ins Gesicht gesagte Wahrheiten
gelangen selten bis zu den Ohren.

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Die den Leuten aufs Maul schauen,
wollen ihnen gewöhnlich nur
nach dem Munde reden.

*

Weniges irritiert mich mehr,
als schon Drei-, ja Zweijährige als völlig
unsympathisch empfinden zu können.

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Mancher schreibt auf eine Art
und Weise, dass, wenn man auch nur
ein einziges Komma überliest,
das ganze Buch wohl unverstanden bleibt.

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Er beobachtet sich selbst
auf Schritt und Tritt. Kein Wunder,
dass er sich ständig verfolgt fühlt.

*

Am erbittertsten werden die Kämpfe
der Vergangenheit ausgetragen.

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*

Stumpfe Waffen
sind die fürchterlichsten.

*

Am sichersten wissen wir das,
was wir gar nicht wissen wollen.

*

Hände, die einem gebunden sind,
kann man unmöglich waschen.
Auch nicht in Unschuld.

*

Aphoristiker misstrauen
den literarischen Schlachthöfen.
Sie zerlegen ihre Bücher lieber
selber in gebrauchsfertige Zitate.

*

Mancher begreift die Erziehung
seiner Kinder als schlichtes Hand-Werk.

*

Bei genauer Betrachtung
verengt sich der Blickwinkel.

*

Mit einem Hund
sterben auch seine Flöhe.

*

 

 

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Künstler enden als Zierrat.
Philosophen als Zitat.

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Das Leben bietet alles. Solange man
es nicht zu überbieten sucht.

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Fünf Sinne sind den meisten Menschen
vier zu viel. Sie brauchen nur
einen Sinn des Lebens.

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In der Klinik. Er kam sich vor
wie ein Untersuchungshäftling, dem der
Heilungsprozess gemacht werden sollte.

*

Wäre die Gesprächskultur
auf der Höhe der Tischsitten, würde
niemand mehr in aller Öffentlichkeit
nach dem letzten Wort verlangen.

*

Manchem Kritiker
gelingt das Unmögliche.
Keinen Satz stehen zu lassen,
in dem nicht jedes Wort sitzt.

*

Gedanken lesen?
Nur eine Frage geeigneter Lektüre.

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Meinungen kleiden.
Gedanken entblößen.

*

Kritische Masse.
Leider nur ein Begriff der Physik.

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Mit Erziehung versuchen Eltern
auszugleichen, was sie ihren Kindern
vererbt haben.

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Wie praktisch: Der Punkt, auf den wir
eine Sache bringen, deckt sich immer
mit unserem Standpunkt.

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Mancher schwimmt gegen den Strom.
Und lässt sich doch nur treiben.

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Gegen ein ewiges Leben spricht
die Aussage der meisten Menschen,
dass sie alles wieder genau so
machen würden. Unendlich oft.

*

Die Wahrheit hat viele Kinder.
Aber keine Eltern.

*

 

 

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Schlechte Laune
verdirbt die beste Erziehung.

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Predige nicht dem,
der die Glocken läuten lassen kann.

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Wahre Büßer machen sich zu Narren.
Falsche zu Propheten.

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Niedriger hängen! lautet die Devise.
Wenn der Galgen zu hoch ist.

*

Ein Aphorismus ist das,
was ein Gedanke von einem
anderen Gedanken übrig lässt.

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Seine vier Wände sind ringsherum
mit Büchern zugestellt. Und alle
zeigen ihm den Rücken.

*

Das Zitat ist der große Bruder
des kleinen Gedankens.

*

 

 

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Wem die Mitte fehlt,
der geht an seine Grenzen.

*

Talkshow. Kein Thema ist so heiß,
wie es gegessen wird.

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Die Dummheit spricht
immer mit eigener Stimme.
Die Weisheit leiht sie auch vom Esel

*

Geht einem Hohlkopf ein Licht auf,
leuchtet er von innen.

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Treuherzigkeit. Die Fähigkeit,
der Wahrheit ins Gesicht zu sehen,
ohne ihr in die Augen zu schauen.

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Zieh nicht die Summe aus einem Leben,
ohne die Gegenprobe zu machen.

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Wo blinder Gehorsam herrscht,
gibt es Brillen umsonst.

*

 

 

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Streichle den Wolf,
und er reißt dir ein Lamm.

*

In welche Höhen der Adler steigt!
Um sich auf eine Maus zu stürzen.

*

Autoren bedienen sich
aus ihren Schubladen.
Aphoristiker aus ihrem Papierkorb.

*

Mancher trägt sein Leben lang
einen Maulkorb. Und hat am Ende
nichts darin gesammelt.

*

Was für ein Zeichen könnte
mancher setzen, würde er nur mal
einen Punkt machen.

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Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Wenn es sich um Fallobst handelt.

*

Moderatoren argumentieren stets
auf höchstem Nivelleau.

*

 

 

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Auch wenn du nur
zu bedenken geben kannst -
gib immer gern und reichlich.

*

Es gibt Sprechautomaten,
die sagen nichts als die Wahrheit.

*

Aus jedem Anhänger einer Idee
wird über kurz oder lang
das Anhängsel einer Ideologie.

*

Achte auf den Schleifstein,
wenn jemand sein Messer wetzt!

Die meisten Mörder bevorzugen
stumpfe Gegenstände.

*

An die Auferstehung scheint man
am besten kniend glauben zu können.

*

Zuverlässig zur Quelle
führen einen nur die Wasserträger.

*

Eins musst du noch lernen,
weiß der rettende Strohhalm:

Loslassen können!

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Ihr Verhältnis zueinander
entspricht dem Kürzel x : y.

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Psychomarkt. Die Umwandlung
fremder Projektionen in eigene Projekte.

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Sie haben einander den Krieg erklärt.
Aber keiner von beiden

scheintdie Erklärung des anderen
verstanden zu haben.

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Modern outcast. From outing to casting.

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Sie hatten sich in ein Gespräch vertieft,
aus dem sie nur mit Mühe

geborgen werden konnten.

*

Menschen, die über alles jammern,
verzweifeln an gar nichts.

*

Stunde der Wahrheit.
Nicht vor 22 Uhr.

*

 

 

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Glänzendes Parkett:
Holzweg de luxe.

*

Ihre Ehe endete
mit der Erkenntnis, dass sie
über ihr Verhältnis gelebt hatten.

*

Ruf nicht zum Zeugen an,
auf wen du als Richter hoffst.

*

Geld heiratet Geld
aus keinem anderen Grund
als dem der Gütertrennung.

*

Es gibt Menschen, die können sich
so gut in einen hineinversetzen,

dass man sie regelrecht
ausschwitzen muss.

*

Ein kardinaler Fehler.
Zum neuen Papst erhoben.

*

Mörder marschieren.
Krieger tanzen.

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*

Manchmal sind wir
auf dem falschen Dampfer.
Und doch auf dem richtigen Fluss.

*

In einem brüllenden Löwen
erkennt der Löwe die Gefahr.
Die Maus den Artgenossen.

*

Ein recht mäßiges Verfahren,
mokierte sich der Staatsanwalt
nach dem Freispruch.

*

Er ist schon mehrfach
wegen Bestechung vorbestraft,
wird aber immer wieder rückgefällig.

*

Früher trat der Tod mit der Sense auf.
Heute kommt er sensibler daher.

*

Kleine Geister sind gewöhnlich
mit vielen großen verwandt.

*

Sie haben vereinbart, dass,
wenn Besuch angesagt ist,
sie in der Wohnung aufräumt

und er in seinem Kopf.

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